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Problem für Mensch und Natur

Wie gefährlich sind giftige PFAS-Chemikalien in Alltags-Produkten?

  • Aktualisiert: 16.02.2024
  • 15:45 Uhr
  • Anna Ullrich
Auch Shampoo kann PFAS, die so genannten Ewigkeits-Chemikalien, enthalten. Wie wir uns vor den schädlichen Stoffen schützen können.
Auch Shampoo kann PFAS, die so genannten Ewigkeits-Chemikalien, enthalten. Wie wir uns vor den schädlichen Stoffen schützen können.© ViDi Studio - stock.adobe.com

Sie sind schwer abbaubar, potenziell gesundheitsschädlich und in zahlreichen Alltagsgegenständen enthalten. Die sogenannten "Ewigkeits-Chemikalien" PFAS werden zunehmend zum Problem für Mensch und Natur.

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Was sind PFAS?

Die Abkürzung PFAS steht für per- und polyfluorierte Chemikalien. Damit werden rund 10.000 synthetische Stoffe bezeichnet, die nicht natürlich vorkommen und erst seit den 1940ern zur Herstellung von Konsumgütern eingesetzt werden. Die organischen Verbindungen aus Kohlenstoffketten sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und sowohl chemisch als auch thermisch stabil. Deshalb werden sie in vielen Produkten eingesetzt und zur Behandlung von Metall- und Kunststoffoberflächen sowie Feuerlöschmitteln und Pflanzenschutzmitteln verwendet. Laut Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" sind in Deutschland bereits 1.500 Orte nachweislich mit den langlebigen Chemikalien verunreinigt. Sie gelangen bei der Produktion von Alltagsgegenständen in die Abwässer und in die Umwelt. Selbst im ewigen Eis der Arktis und Antarktis haben Wissenschaftler bereits PFAS entdeckt.

Vorsicht, hier lauern weitere Schadstoffe! Erschreckendes Ergebnis: Diese Zahnpasta enthält den krebserregenden Inhaltsstoff Arsen. In welchen Haferflocken Mineralöl und in welchen Waschmitteln Mikroplastik steckt, hat Öko-Test untersucht. Achtung, Pestizide in Erdbeeren: Diese Sorten sind aktuell betroffen. Zum Schluss haben wir noch gute Nachrichten! Eine Kassiererin verrät dir, wie du im Supermarkt die schnellste Kasse findest

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Im Clip: Hier verschmutzen giftige Chemikalien die Welt 

Wie giftig sind PFAS?

Die meisten PFAS sind nicht akut giftig, können aber aufgrund ihrer Langlebigkeit zum Problem für Umwelt und Gesundheit werden. Die Stoffe sind so hartnäckig, dass sie zwischen zehn und 100 Jahren in der Umwelt bleiben, bis sie vollständig abgebaut sind. Hinzu kommt, dass viele PFAS noch nicht ausreichend erforscht sind und möglicherweise weitere gefährliche Eigenschaften mit sich bringen. In den vergangenen Jahren wurde bei einigen PFAS eine gesundheitsschädliche Wirkung nachgewiesen. Demnach nehmen Menschen PFAS vor allem über Lebensmittel und Trinkwasser auf. Inzwischen lassen sich PFAS im Trinkwasser, Grundwasser, Regenwasser und sogar im Blut von Menschen in Europa und Amerika feststellen. Die gesundheitlichen Folgen sind schwerwiegend. Untersuchungen legen nahe, dass einige PFAS eine Ursache für Leberschäden, Fettleibigkeit, Fruchtbarkeitsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen und Krebs sein können. Zu möglichen Langzeitschäden gibt es bisher kaum Erkenntnisse.

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Wie gelangen PFAS aus dem Körper?

Inzwischen ist es unbestritten, dass sich PFAS auch im menschlichen Körper angereichert haben. Das zeigte eine große Untersuchung zwischen 2014 und 2017 eindrücklich, bei der in über 1000 Blutproben von Kindern aus Deutschland PFAS nachgewiesen werden konnten. Die durch Nahrung und Wasser aufgenommenen Chemikalien lagern sich mit der Zeit im Körper an. Einige PFAS verlassen den Körper langsam, meist über den Urin. Wer eine geschädigte Niere hat, scheidet möglicherweise nicht so viel PFAS über den Urin aus wie gesunde Menschen. Auch über die Menstruation können PFAS aus dem Körper ausgeschieden werden.

Worin kommen PFAS vor?

Die langlebigen Chemikalien werden zur Herstellung verschiedener Alltagsprodukte verwendet. Die Liste der Produkte ist lang. So finden sich die bedenklichen PFAS unter anderem in

  • Feuerlöschmittel
  • Pflanzenschutzmittel
  • Imprägnierspray für Schuhe und Textilien
  • Outdoor-Bekleidung
  • Wasserfilter
  • Backpapier
  • Skiwachs
  • Wimperntusche
  • Make-up
  • Lippenstift
  • Shampoo
  • beschichteten Pfannen
  • Waffeleisen
  • Fast-Food-Verpackungen
  • Zahnseide
  • Teppichen
  • Kabelummantelungen
  • Elektrogeräten

Bei einer aktuellen Untersuchung von sieben Zahnseiden, fielen zwei negativ auf. Aus PFAS hergestellt wurden die Produkte der Drogeriemarktkette Budni-Eigenmarke "Diadent" und der dm-Eigenmarke "Dontodent". Nur bei Budni bleiben Rückstände bestehen, die besonders besorgniserregend sind. Damit Verbraucher:innen eine PFAS-Aufnahme umgehen, sollte auf Zahnseide verzichtet werden, die als "extra gleitfähig" oder mit PTFE gekennzeichnet ist.

Noch mehr Einzelheiten über PFAS in Alltagsprodukten findest du hier.

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In welchen Lebensmitteln stecken PFAS?

Als besonders hoch gilt die PFAS-Belastung bei Fisch, Meeresfrüchten und im Trinkwasser. Zudem weisen auch Innereien und Eier einen messbaren Gehalt auf. In Deutschland hat man bereits Höchstwerte für einzelne PFAS wie PFOS und PFOA im Trinkwasser festgelegt.

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Wie kann man PFAS erkennen?

Auf den ersten Blick zu erkennen sind Produkte mit PFAS nicht. Bei allem, was imprägniert ist oder eine wasser- oder fettabweisende Oberfläche hat, lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Hier verstecken sich PFAS hinter den Bezeichnungen "PTFE" oder "Fluor". Besser ist es, auf PFAS-freie Alternativen zu setzen, um sowohl die Umwelt als auch die eigene Gesundheit zu schützen.

Wie kann ich mich vor PFAS schützen?

Um sich vor den langlebigen, giftigen Chemikalien zu schützen, sollte man weitestgehend auf Produkte, die PFAS enthalten, verzichten. PFAS-freie Alternativen erkennt man an Bezeichnungen wie "fluorfrei", “frei von PFC" und "ohne PFAS". Außerdem gilt:

  1. Gut lüften: Imprägnierte Textilien, Fleckenschutzmittel und Polituren können PFAS an die Raumluft in Innenräumen abgeben.
  2. Regelmäßig staubsaugen: Viele verschiedene Schadstoffe werden zu Staub absorbiert.
  3. Zu Hause essen: Fast Food meiden, das in PFAS-haltigem Plastik verpackt ist. Viele Lebensmittelverpackungen, wie zum Beispiel Pizzakartons, Mikrowellenpopcorn und fettbeständiges Papier, enthalten PFAS, die mit der Nahrung aufgenommen werden können.
  4. Vorsicht bei beschichteten Pfannen und Töpfen: Die Beschichtung von Kochutensilien enthält häufig PFAS.

Was wird gegen die "Ewigkeits-Chemikalien" unternommen?

Weil PFAS eine Belastung für Mensch und Umwelt darstellen, hat die EU bereits Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Verwendung ergriffen. Die Herstellung und Verwendung von einigen PFAS ist bereits im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung eingeschränkt worden. Weitere als PFAS eingestufte Stoffe sollen folgen. Zudem laufen umfangreiche Studien, PFAS in Schaum zur Brandbekämpfung und in Textilien zu ersetzen. Die EU-Kommission teilte mit: "Die Kommission ist entschlossen, eine schadstofffreie Umwelt zu schaffen. Konsumgüter sollen nicht die schädlichsten Stoffe enthalten […], die sehr giftig für die Umwelt sind oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen."

Dieses Land wird PFAS verbieten

Neuseeland verbietet als eines der ersten Länder die Stoffe der Chemikaliengruppe PFAS in Kosmetikprodukten. Ab dem 31. Dezember 2026 dürfen dann die Substanzen nicht mehr in Produkten wie Nagellack, Lippenstift, Rasierschaum oder auch Mascara verwendet werden. Deutschland, Dänemark, Norwegen, die Niederlande und Schweden setzen sich ebenfalls für ein Verbot der ewigen Chemikalien ein. Wahrscheinlich wird die Umsetzung jedoch erst 2026 erfolgen.

Warum sind nicht alle PFAS verboten?

Das liegt vor allem daran, dass man von den mehr als 10.000 PFAS nur über etwa 40 genauer Bescheid weiß. Bei den meisten Chemikalien ist nicht bekannt, wie sie eingesetzt werden, woraus sie bestehen oder welche Eigenschaften sie haben. Bisher ist auch nicht klar, wie die Substanzen sicher entsorgt werden können. Aktuell berät die EU-Chemikalienbehörde über einen Vorschlag, alle PFAS und deren Importe in Europa zu verbieten. Die Entscheidung der Behörde wird jedoch voraussichtlich bis 2025 auf sich warten lassen.

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