Cosby schwer belastet
Prozess gegen Bill Cosby - Klägerin bricht Schweigen
- Veröffentlicht: 07.06.2017
- 20:10 Uhr
- AP
Am Mittwoch dürfte Andrea Constand ein weiteres Mal Einzelheiten dazu preisgeben, wie der US-Komiker sie betäubt und missbraucht haben soll. Muss der Star der "Bill Cosby Show" bald ins Gefängnis?
Im sexuellen Missbrauchsprozess gegen US-Komiker Bill Cosby wird die Klägerin Andrea Constand am Mittwochvormittag (Ortszeit) ein weiteres Mal in den Zeugenstand treten. Constand hatte ihr Schweigen in dem Fall am Dienstag nach zwölf Jahren gebrochen und ausgesagt, Cosbys Annäherungsversuche zweimal ausgeschlagen zu haben, bevor er sie betäubt und sexuell missbraucht habe.
Cosby wird beschuldigt, seiner Bekannten Constand 2004 Tabletten gegeben und sich an ihr vergangen zu haben. Für den Prozess sind etwa zwei Wochen angesetzt. Sollte der Entertainer schuldig gesprochen werden, könnte er zu bis zu zehn Jahren Haft verurteilt werden.
"Dafür bin ich nicht hier. Ich will das nicht"
Constand beschrieb am Dienstag, wie sich der professionelle Kontakt zu Cosby an der Temple-Universität zu einer Freundschaft entwickelt habe, die sie als wichtig für ihr Frauen-Basketballteam der Hochschule erachtet habe. Gleichzeitig habe er begonnen, stärker mit ihr zu flirten. Cosby habe während eines Treffens in seinem Anwesen ihren Oberschenkel angefasst und während eines anderen versucht, ihre Hose aufzuknöpfen. Beide Male habe sie ihm klargemacht, dass sie dieses Verhalten nicht gutheiße. "Dafür bin ich nicht hier. Ich will das nicht", habe sie gesagt. Bedroht gefühlt habe sie sich aber nicht.
Beim nächsten Besuch in Cosbys Anwesen, bei dem es um ihre Zukunft im Frauen-Basketballteam der Uni habe gehen sollen, habe Cosby ihr die Pillen gegeben, sagte Constand. Diese hätten sie außer Gefecht gesetzt, während er ihre Brüste und ihren Genitalbereich angefasst habe.
Constand hatte Angst vor Cosby
Sie sei am nächsten Morgen aufgewacht und habe sich in der Küche an Cosby vorbeigeschlichen, um es rechtzeitig zu ihrem Hochschulbüro zu schaffen, sagte Constand. Aufgrund der Loyalität zu ihrer Basketballmannschaft habe sie niemandem von dem Vorfall erzählt. "Ich wollte keinen Ärger machen", sagte sie.
Sie habe außerdem Angst davor gehabt, was Cosby tun würde. "Ich habe gefühlt, dass sich Herr Cosby rächen und versuchen würde, mich zu verletzen, dass er versuchen würde, mich oder meine Familie irgendwie zu verletzen, wenn ich zur Polizei gegangen wäre", sagte Constand aus.
Rund 60 Frauen werfen Cosby sexuelle Nötigung vor
Entscheidend für den Prozess könnte eine eidesstattliche Erklärung Cosbys sein, die er in einem früheren Verfahren machte. Dabei hatte er ausgesagt, dass er Frauen, mit denen er Sex haben wollte, das Beruhigungsmittel Methaqualon - umgangssprachlich Quaaludes - gegeben habe. Cosbys Anwälte argumentieren, ihm sei damals versprochen worden, dass es keine Anklage gegen ihn geben werde.
Vor Dienstag hatte Constand niemals öffentlich über Cosby gesprochen. Das war ihr unter den Bedingungen einer im Jahr 2006 erzielten Einigung über eine Vertraulichkeitserklärung verwehrt gewesen. Ihre Aussage aus dem Verfahren bleibt geheim.
Rund 60 Frauen haben Cosby vorgeworfen, sich sexuell an ihnen vergangen zu haben. Constands Fall ist jedoch der einzige, in dem gerichtliche Anschuldigungen gegen ihn erhoben worden sind.