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Lippenstift-Effekt: Das sagt er über die Konjunktur aus

16.01.2023 • 13:17

Der Index besagt, dass es schlecht um die Wirtschaft eines Landes steht, wenn der Absatz von Lippenstift boomt.

In der Wirtschaft existiert ein Effekt, der erklären soll, wie es um die Konjunktur in einem Land steht: der Lippenstift-Index.
Er besagt, dass Menschen in Krisenzeiten auf teure Anschaffungen verzichten und sich dafür kleinen Luxus gönnen, wie etwa Parfüm oder Lippenstift.
Steigt der Absatz solcher Produkte, geht es einem Land wirtschaftlich schlecht.
Den Ansatz prägte Leonard Lauder. Als er den US-Kosmetikkonzern Estée Lauder führte, beobachtete er, wie der Verkauf von Lippenstift nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in die Höhe schoss.
Tatsächlich wurde der Lipstick-Effekt schon früher beobachtet: Sowohl während der schweren Wirtschaftskrise in den USA der 1930er-Jahre als auch der Finanzkrise 2008 und 2009.
Genauso jetzt in Zeiten von Inflation und Energiekrise. Laut dem Industrieverband Körperpflege und Waschmittel stieg in Deutschland der Verkauf dekorativer Kosmetikartikel im Jahr 2022 um 16 Prozent.
Auch wenn der Lippenstift-Effekt einmal mehr eintritt, ist er umstritten.
Finanzexperten argumentieren, dass der Index nicht auf tatsächlich messbaren Fakten basiert und er allenfalls als „weicher“ Konjunkturindikator dienen kann.
Die Volkswirtin Gertrud Traud führt eine psychologische Erklärung heran.
Studien hätten gezeigt, dass viele Frauen sich gerade in Krisenzeiten schön machen möchten, sagte sie „tagesschau.de“.
Auch das Ende der Corona-Maskenpflicht könnte den Lippenstift-Boom begünstigen, so Traud.

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