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The Voice Kids

Coach-Tipps: Die Atemübungen der "The Voice Kids"-Talente

Staffel 9Episode 127.02.2021 • 20:15

Du willst singen können wie die "The Voice Kids"? Dann schau dir jetzt die besten Tipps der Vocal Coaches an und trainiere wie die Talente hinter den Kulissen! Backstage-Reporter Keanu Rapp und Yvonne Ambrée zeigen dir die besten Atemübungen für zu Hause.

Atemübungen: Diese Übungen helfen dir zur richtigen Atemtechnik

Einatmen, ausatmen – dieser komplexe Vorgang geschieht meist völlig von alleine und ohne, dass wir uns groß Gedanken darum machen müssen.

Die Atmung, welche uns mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt, besteht aus Einatmung, Ausatmung und den kurzen Ruhepausen dazwischen. Meist wird das Einatmen als der aktive Part wahrgenommen, das Ausatmen als der passive. Beim Singen muss man die Phase der Ausatmung aktiv verlängern und steuern. Der Vorgang des Einatmens wird zu einem Teil der kurzen, aber wichtigen Regenerationsphase.

Eine gute Atemtechnik ist die Basis für guten Gesang, denn das Atmen spielt beim Singen eine wichtige Rolle. Ohne Atem würden keine Töne entstehen. Singen ist genau genommen die gedehnte und tönende Ausatmung. Damit ein Ton entsteht, müssen Sänger:innen die Stimmlippen im Kehlkopf mit Hilfe der Muskulatur zum Schwingen bringen. Mit gezielten Übungen kannst du deinen Atem optimieren und dir so eine wirkungsvolle Stimme antrainieren.

Der richtige Einstieg in die Atemübung: Grundlagen besser verstehen

Um die genannten Atemübungen im Anschluss besser umsetzen zu können, ist es sinnvoll, die Grundlagen der Gesangs-Atmung zu verstehen. Im Bereich des Singens wird die Einatmung mit dem "Entspannen" gleichgesetzt. Dies bedeutet, dass der oder die Singende alle Spannung, die sich während des Singens, also dem Ausatmen, aufgebaut hat, loslässt. Das Einatmen soll möglichst effektiv und schnell von statten gehen, denn oft bleibt nur wenig Zeit, um neue Luft zu holen.

Überraschenderweise braucht der Körper zum Singen selbst gar nicht so viel Atemluft, eher einen konstanten Atemstrom, der die Stimmbänder und Stimmlippen in Schwingungen bringt. Eine ausgeprägte Brust-, Zwischenrippen- und Lendenmuskulatur wirkt außerdem unterstützend auf das Zwerchfell, dem größten Atemmuskel.

Die erste Atemübung: Die Atemstütze

Eine der wichtigsten Übungen zur Verbesserung der Atemtechnik ist die der Atemstütze. Dadurch lernst du, deinen Atem mit Hilfe deines Zwerchfells einzuteilen und zu kontrollieren, sodass dir die Luft auch bei längeren oder schwierigeren Gesangseinheiten nicht ausgeht.

Um zu testen, wie gut deine Atemstütze funktioniert, probiere den Buchstaben “S” möglichst lange zu halten. Wie lange funktioniert das, bevor du wieder Luft holen musst?

Wenn du dabei merkst, das du schnell an deine Grenzen kommst, kannst du deinen Atem mit folgender Übung trainieren:

Atme ein und spüre, wie sich dabei dein Zwerchfell im Bauchraum absenkt. Beim Ausatmen versuchst du, das Zwerchfell gesenkt zu halten. Wenn du dabei Schwierigkeiten hast, lege zur Unterstützung deine Hand auf den Bauch. Du solltest dabei merken, wie du deutlich langsamer ausatmest.

Effektive Atemübungen zum Singen lernen

Kannst du deine Atmung bewusst kontrollieren und bewusst einsetzten, bist du in der Lage, lauter und ausdauernder zu singen. Und das Ganze ohne dabei Gefahr zu laufen, heiser zu werden oder deine Stimmbänder zu überlasten. Insgesamt gibt es drei Arten von Atemübungen, um deinen Gesang zu verbessern.

Wichtig vor jeder Gesangseinlage: Wärme deine Stimmbänder gut auf! Wie das funktioniert, erfährst du in unseren Coach-Tipps. 

Kraftübungen für deine Atemtechnik

Diese Übungen leben vom kräftigen Ausatmen. Absolviere sie mit möglichst viel Kraft und trainiere so die Zwischenrippenmuskeln, welche für die Ausatmung zuständig sind. Trainieren kannst du das kräftige Ausatmen mit F-F-Sch-Lauten, die zudem auch noch gut für das Zwerchfell sind.

Flexibilitätsübungen für deine Atemtechnik

Ist eine Gesangsphase vorbei, muss das Zwerchfell manchmal schnell reagieren: Es ist angehalten, loszulassen nachdem ausgeatmet wurde. Ist dein Zwerchfell flexibel, macht ihm dieser Vorgang nichts aus. Du kannst diesen Moment üben, indem du die komplette Luft mit aller Kraft ausatmest und daraufhin den Atemreflex einfallen lässt. Spürst du wie die Luft wieder eindringt? Zusätzlich kannst du die Übung mit kurzen "s s s s" oder "sch s sch s sch"- Lauten unterstützen.

Ausdauerübungen für deine Atemtechnik

Wer ausdauernd ist, kann Töne länger halten. Ausdauerübungen trainieren den Atemstrom und die Atemdosierung. Eine Übung, um deinen Atem ausdauernder werden zu lassen, ist das ruhige Singen eines "wwwww", solange du es halten kannst. Wenn du merkst, dass du wieder einatmen möchtest, machst du eine kurze Pause. 

Liegen oder stehen? Die Bauchatmung spüren lernen

Bevor du anfängst Übungen im Stehen zu absolvieren, hilft es dir vielleicht, die Übungen erst einmal im Liegen auszuprobieren. Da sich der Körper im Liegen nicht selbst tragen muss, bist du in dieser Position meist entspannter und kannst kleine Feinheiten und Spannungen besser wahrnehmen, als im Stehen.

Bauchatmung: So findest du den Einstieg in deine Atemübungen

Lege dich auf den Boden und versuche deine ganze Anspannung komplett loszulassen. Du "sinkst" förmlich in den Boden ein und gibst dein ganzes Gewicht an ihn ab. Kannst du dich auf das "loslassen" nicht richtig konzentrieren, kann es helfen, jedes Körperteil einzeln durchzugehen und zu fokussieren. Versuche, dich möglichst entspannt zu positionieren. Beobachte deinen natürlichen Atem und lege deine Hand an der Stelle auf dem Bauch ab, an dem du deine Atmung spürst.

Das Ziel bei dieser Übung ist es, deinen Atem unterhalb deines Bauchnabels zu spüren. Das kannst du dir antrainieren, indem du beim Ausatmen den Konsonanten "F" sprichst. Versuche, mit dem "F" die komplette Luft auszuatmen und anschließend möglichst tief wieder einzuatmen. Du wirst merken, dass sich dein Oberkörper bei der Ausatmung ein wenig anhebt und sich das Einatmen wie ein passives Fallenlassen anfühlt. Auch wölbt sich während des Einatmens dein Unterbauch nach außen, was mit dem Absenken des Zwerchfells zu tun hat. Diese Übung sollte dich langsam zu einer kontrollierten Bauchatmung führen.

Das Zwerchfell dehnen mit F-S-SCH und P-T-K

Eine der bekanntesten und effektivsten Übungen ist wohl das Spiel mit den Konsonanten "F-S-SCH" und "P-T-K". Diese Atemübung dient dazu, das Zwerchfell als Muskel zu trainieren und es vor dem Singen aufzuwärmen. Dein Zwerchfell wird reaktionsschneller und leistungsstärker.

Um in die Übung einzusteigen, suchst du dir am besten erst einmal eine bequeme Haltung.

Achte darauf, dass du deine Atmung in deiner Position gut spüren kannst. Ob du dabei liegst oder stehst, ist dir überlassen. Viele finden die Übung im Liegen jedoch einfacher als im Stehen. Dann fängst du an, die Konsonanten in ihrer Reihenfolge laut auszusprechen und immer wieder zu wiederholen: "F-S-SCH". Du wirst vermutlich feststellen, dass sich die Laute sehr unterschiedlich anfühlen, wenn man sich darauf konzentriert. Auch das Zwerchfell wird so an unterschiedlichen Punkten angespielt und trainiert. Das selbe machst du mit den Konsonanten "P-T-K".

Die Übung lässt sich steigern, indem du dir einen Konsonanten nimmst, zum Beispiel das "F" und ihn dreimal gleichbleibend mit einer kurzen Pause dazwischen aussprichst. Das machst du nacheinander mit allen Konsonanten, kurz und auf den Punkt gebracht. Achte darauf, das deine Laute immer durch eine klare Pause getrennt bleiben!

Bekommst du auch diesen Teil der Übung problemlos hin, versuche die Laute länger zu halten. Mit etwas Übung solltest du einen Ton etwa 45 bis 60 Sekunden halten können.

Um noch eins drauf zu setzen kannst du nun beginnen, unterschiedliche Lautstärken einzubinden, um die Übung noch dynamischer zu gestalten. Beginne ganz leise und werde bei den darauffolgenden Konsonanten immer lauter.

Tipp: Manchmal kann einem bei diesen Übungen schwindelig werden, weil das Gehirn durch die Atemübungen plötzlich mehr Sauerstoff bekommt, als es gewohnt ist. Unterbrich dann bitte das Training bis der Schwindel vorbei ist und setze dich hin. Der Schwindel sollte nach mehreren Trainingseinheiten nachlassen.

So kannst du dein Zwerchfell noch besser trainieren

Um das Zwerchfell noch besser zu trainieren, haben wir noch ein paar weitere Übungen, die du gerne einmal ausprobieren kannst. Übung Nummer 1 klingt zuerst komisch, ist aber super effektiv: Fang an, wie ein Hund zu hecheln und achte dabei darauf, dass deine Schultern nicht zu weit nach oben wandern. Du kannst dabei deine Hände in die Taille legen, um besser spüren zu können, wie dein Zwerchfell auf und ab schwingt.

Um dein Zwerchfell zusätzlich auf eine andere Weise zu spüren, kann du versuchen, ein erstauntes "Oh" auszurufen. Du kannst dabei deine Hände wieder in die Taille legen und solltest merken, dass sich deine Seiten bei jedem "Oh" weiten. Achte darauf, dass deine Stimmbänder sich dabei nicht verkrampfen.

Die wohl bekannteste Atemübung: Das Lippenflattern

Das Lippenflattern ist eine der beliebtesten Atemübungen. Das Auflockern der Lippen sorgt dafür, dass du dich beim Sprechen besser artikulieren kannst. Das Lippenflattern funktioniert nur korrekt, wenn du lernst, dein Zwerchfell richtig mit einzubeziehen.

Du kannst die Übung, die an das Schnauben eines Pferdes erinnert, auf drei Arten ausführen, beziehungsweise nach und nach steigern:

  1. Lippenflattern ohne Ton: Du legst deine Lippen locker aufeinander und schnaubst beim Ausatmen, sodass deine Lippen beginnen zu vibrieren. Wichtig hierbei ist, dass du versuchst, deinen Mund inklusive Mundwinkel sowie deinen Kiefer ganz locker zu lassen.
  2. Lippenflattern mit Ton: Wenn das Lippenflattern ohne Ton gut für dich funktioniert, kannst du die Übung noch steigern indem du beginnst, dabei Töne zu singen. Gehe hierbei einen Akkord nach oben und wieder zurück.
  3. Lautstärke des Lippenflatterns variieren: Wenn das Einbeziehen von verschiedenen Tönen gut funktioniert, kannst du zusätzlich probieren, unterschiedliche Tonhöhen und Tonlagen auszutesten. Das trainiert gleichzeitig auch noch die Dynamik!

Was haben Atemübungen mit Trampolinen zu tun?

Konntest du die ersten Atemübungen gut umsetzen, dann beginne das Gelernte auf erste, einfache Worte anzuwenden. Gehe dabei wie folgt vor: Nimm eine entspannte Position ein. Versichere dich, dass deine Haltung sowie dein Kiefer und Mund ausreichend gelockert sind. Hast du das Gefühl, dass du einen Bereich nicht ausreichend entspannen kannst, versuche es vorerst noch einmal mit den Grundlagen-Übungen und beziehe die Konsonanten mit ein.

Überlege dir nun einfache Worte wie "Hallo", "Hund" oder "Blume". Stell dir vor, dass diese Worte mit ihrer Tonalität auf dein Zwerchfell fallen und wie bei einem Trampolin wieder hoch katapultiert werden. Den Fall der Töne kannst du besser wahrnehmen, wenn du wieder die Hand auf deinem Bauch platzierst. Dadurch merkst du auch, ob du tief genug atmest. Das Zwerchfell und der gesamte Körper versucht generell, also auch beim Singen, möglichst effizient zu arbeiten. Dies bedeutet für deine Übung, dass die Bewegung deines Bauches der Lautstärke der Töne angepasst wird. Verarbeiten wir nur einen leisen Ton, bewegt sich das Zwerchfell ziemlich weit oben im Bauch, wogegen es bei lauten Tönen eher tief im Becken arbeitet.

Die richtigen Atemübungen beim Singen

Fühlst du dich sicher im Umgang mit den Übungen und hast gelernt, deinen Atem zu spüren und die Atemstütze einzusetzen, kannst du beginnen, diese auch beim Singen einzusetzen. Beachte hierbei, dass du dich und deine Stimmbänder vor jeder Gesangsübung ausreichend aufwärmen solltest! Dies minimiert das Verletzungsrisiko und beugt Heiserkeit vor. Du kannst zum Aufwärmen alle genannten Übungen noch einmal durchgehen oder dir unsere Tipps zum Aufwärmen der Stimmbänder ansehen.

Anschließend steigst du in dein Gesangstraining ein. Achte hierbei auf die richtige, aufrechte Haltung. Stelle dich dafür hüftbreit hin und verteile dein Gewicht gleichmäßig auf beiden Füßen. Lockere deinen Körper noch einmal und gähne ein bis zwei Mal, bevor du die ersten Töne von dir gibst. Das sorgt dafür, dass sich dein Kiefer auf die kommende Einheit vorbereiten kann.

Beginne mit dem Einsingen und konzentriere dich zunächst nur auf das "A". Lasse den Text außen vor und beobachte nur deine Atmung. Probiere dabei, deine zu Anfang geübte Atemstütze zu spüren. Wenn du dich sicher fühlst, kannst du die Rhythmik dazu nehmen. Fühlt sich auch das gut an, bist du bereit, voll einzusteigen und das Lied mit Text wiederzugeben.

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