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Verschmutztes Wasser als tödliche Gefahr  

144 Millionen Menschen weltweit haben lediglich Zugang zu nicht gereinigtem Oberflächenwasser aus Flüssen, Bächen und Seen. Betroffen sind vor allem Menschen aus Entwicklungsländern, aus armen und ländlichen Regionen, Geflüchtete und Slum-Bewohner.

In Subsahara-Afrika gelangt nur ein Viertel der Menschen an sicheres Trinkwasser. Zum Vergleich: In Europa und Nordamerika liegt der Anteil bei 94 Prozent.

Weltweit sterben jährlich rund 1,5 Millionen Menschen an den Folgen von verunreinigtem Trinkwasser. Bakterien und Keime im Wasser führen häufig zu Durchfall, der tödlich enden kann. Vor allem Säuglinge und Kinder sind gefährdet. Krankheiten durch verunreinigtes Wasser wie Cholera und Bilharziose sind nach wie vor in vielen Entwicklungsländern weit verbreitet – besagt der Weltwasserbericht 2019.

Verschmutztes Wasser betrifft zahlreiche Lebensbereiche: Es gelangt beim Essen und Trinken in den Körper. Für die Hygiene spielt es eine immense Rolle: Wie die Corona-Krise gerade den Menschen weltweit veranschaulicht, spielt Händewaschen eine wichtige Rolle für die Eindämmung von Krankheiten. Gibt es keine hygienischen Sanitäranlagen, verbreiten sich Erreger rasant. Sauberes Wasser ist essentiell für die Gesundheit.

Bakterien, Keime & Co.: Die Gefahr von verschmutztem Wasser  

Der Klimawandel verändert die Verfügbarkeit und Qualität von Wasser: Es wird künftig wahrscheinlich weniger und schlechteres Trinkwasser geben, das prognostizieren die Vereinten Nationen (UN). Fortschritte bei der Kontrolle von Krankheiten im Zusammenhang mit Wasser verlangsamen sich – oder kehren sich sogar um.

Verschmutztes Wasser gefährdet die Gesundheit vieler Menschen. Keime, Bakterien, Enterobakterien, Viren und Parasiten gelangen über das Wasser in den Körper und lösen Krankheiten aus. Hier findest du einige Beispiele von Krankheiten, bei denen unsauberes Wasser als Auslöser eine Rolle spielt:

  • Cholera: Mit der Infektionskrankheit des Dünndarms infizieren sich Menschen durch verunreinigtes Trinkwasser und Fäkalien. Gefährdet sind vor allem Menschen aus ärmeren Regionen mit schlechtem Abwassersystem. Das Bakterium Vibrio cholerae löst schwere Durchfälle aus. Ohne Behandlung sterben viele Patienten.
  • Typhus: Jährlich gibt es weltweit bis zu 160.000 Todesfälle aufgrund der Infektionskrankheit, die mit hohem Fieber einhergeht. Der Erreger ist Salmonella enterica. Das Bakterium gelangt meist über mit Fäkalien verunreinigtes Wasser und Essen in den Körper.
  • Giardiasis (Lamblienruhr): Der Parasit Giardia intestinalis ruft die Tropenkrankheit hervor. Er kommt häufig in Süßwasser und Seen vor. Wird das Wasser gekocht, stirbt der Erreger ab. Auch Tiere können sich mit der Darminfektion anstecken. Zu den Symptomen zählen Durchfall, Bauchkrämpfe und Blähungen.
  • Amöbenruhr: Das ist eine Darmerkrankung, die in den Tropen vorkommt. Auslöser sind Amöben. Die Einzeller können den ganzen Körper befallen – und zum Tod führen. Die Krankheit verbreitet sich über Menschen, die den Parasiten in sich tragen und Zysten im Stuhl haben. Infektionen sind über verseuchtes Wasser und Lebensmittel möglich.
  • Gastroenteritis: Die Magen-Darm-Grippe mit Erbrechen und Durchfall wird von Viren und Bakterien ausgelöst. Ist Handhygiene nicht möglich, steigt das Ansteckungsrisiko.
  • Bakterienruhr: Shigella-Bakterien können unter anderem über Trinkwasser und Badewasser in den Körper gelangen und heftige Durchfälle, Fieber und Bauchkrämpfe auslösen. Kinder sind besonders gefährdet. In Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen steigt das Ansteckungsrisiko.
  • Hepatitis: Die Leberentzündung tritt in verschiedenen Formen auf. Hepatitis A kann durch Trinkwasser übertragen werden, das mit Fäkalien verschmutzt ist. Auch verunreinigte Nahrungsmittel wie Obst und Eis sind Überträger.
  • Legionellose: Legionellen sind Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen. Sie gelangen über Wasser in die Luft und von dort in die Lunge. Legionellen vermehren sich in warmem Süßwasser (20 bis 45 Grad) rasant. Durch Abkochen sterben sie ab. In Gebäuden sind Warmwassersysteme mögliche Infektionsquellen.
  • Bilharziose (Schistosomiasis): Ein im Süßwasser lebender Saugwurm löst die Infektionskrankheit aus. Sie gehört zu den meist verbreitetsten Tropenkrankheiten weltweit. Menschen können sich die Larven des Parasiten einfangen, wenn sie in infiziertem Wasser baden. Stehendes über 20 Grad warmes Wasser ist besonders riskant. Die Krankheit kann zu Organschäden führen.

Wie sieht die Wasserqualität in Entwicklungsländern aus?

In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist die Trinkwasserversorgung besonders schlecht. Im Sudan etwa wurden Brunnen im Krieg systematisch zerstört. Leitungswasser gibt es erst recht nicht. Die Folge: Familien holen sich Wasser aus Flüssen, um zu überleben. Sie trinken es, kochen und waschen damit. Es gibt keinerlei Kontrolle darüber, was im Wasser schwimmt. Oft ist es mit Keimen belastet. Zudem gibt es kein gesondertes Abwasser- und Trinkwassersystem. Die Menschen trinken häufig Wasser, das mit Fäkalien verunreinigt ist.

Auch im Jemen, in Somalia und in Nigeria ist Wasser oft so kostbar, dass es für viele Zwecke zugleich genutzt wird: Erst badet jemand darin, dann trinkt es jemand. Das ist nicht nur unhygienisch, sondern trägt auch zur Ausbreitung von Krankheiten bei. Fäkalkeime und tödliche Viren werden über das Wasser übertragen. Ausbrüche von Seuchen wie der Cholera kommen vor allem in armen und ländlichen Regionen vor. Auch nach Katastrophen wie Überschwemmungen steigt das Infektionsrisiko – der Zugang zu sauberem Wasser ist dann oft erschwert.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) rückt immer wieder in den Fokus, wie wichtig sauberes Wasser für die Gesundheit ist. Laut Unicef muss Wasser aber nicht nur sauber, sondern auch sicher sein. Das bedeutet: Es muss bei Bedarf verfügbar und leicht zugänglich sein. Zudem darf es nicht verunreinigt sein.

Für die meisten Menschen in Europa ist Wasser aus der Leitung selbstverständlich. In Deutschland bereiten die Wasserwerke es auf: Sie filtern und reinigen es. Zudem gibt es ständig Qualitäts-Kontrollen – beispielsweise auf den Nitrat-Gehalt des Trinkwassers.

In armen Ländern und Kriegsgebieten fehlt häufig eine öffentliche Grundwasserversorgung. Und den Menschen fehlen die Mittel, die Wasserqualität zu prüfen. Dabei wäre es dort besonders wichtig: Denn es mangelt oft an Regelungen, wie die Industrie mit Abfällen umzugehen hat. Viele Abfälle fließen ungefiltert ins Wasser – eine große Gefahr.

Verschmutztes Wasser – Mangelernährung – fehlende Hygienemaßnahmen: Ein gefährlicher Teufelskreis 

Der Mangel an sauberem Wasser und Hygiene gehört laut Unicef zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. In Entwicklungsländern kommen zwei kritische Faktoren zusammen, die die Gesundheit gefährden: unsauberes Wasser und Mangelernährung. Oft sind Kinder ohnehin schon unterernährt. Kommt dann noch eine Durchfallfallerkrankung durch verunreinigtes Wasser hinzu, endet das für Kinder häufig tödlich. Ein Kind kann nicht zunehmen und genesen, wenn es ständig weiter schmutziges Wasser trinkt.

Warum sind so viele Kinder unterernährt? In Entwicklungsländern fehlen oft Lebensmittelvorräte. Kommen dann Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen hinzu und die Ernte fällt aus, müssen die Menschen hungern. Kinder sind besonders anfällig für ernährungsbedingte Krankheiten. Der Klimawandel verschärft die Situation noch. Gerade in armen Regionen der Welt sind Auswirkungen wie Dürren bereits stark spürbar. Zudem sind Babys und Frauen Leidtragende von mangelnder Hygiene aufgrund von Wassermangel. Geburten werden ohne sauberes Wasser schnell zum Infektionsrisiko für Mutter und Kind.