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Luxusgut Wasser – So kann Trinkwasser aufbereitet werden

Hahn auf, Wasser marsch! Für uns in Deutschland ist das selbstverständlich. Aber: Wusstest du, dass 2,2 Milliarden Menschen weltweit keinen regelmäßigen Zugang zu Trinkwasser haben? Rund 785 Millionen Menschen fehlt sogar die Grundversorgung – wie die Unesco berichtet. Um die letztere Zahl anschaulich zu machen: Das sind mehr als alle Einwohner Europas zusammengenommen. Wasserknappheit ist ein globales Problem.

Dabei hat jeder Mensch ein Recht auf Wasser- und Sanitärversorgung. Doch Wasser wird mehr und mehr zum Luxusgut: Die Klima-Krise schiebt die Ausdehnung von Trockengebieten an. Extreme Wetterereignisse nehmen zu und zerstören Wassersysteme. Der Wasserverbrauch steigt hingegen stetig. Die Weltbevölkerung wächst und vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern erhöht sich der Pro-Kopf-Wasserverbrauch. In Industrienationen ist dieser ohnehin schon hoch.

Unter Wasserknappheit leiden größtenteils Menschen aus ärmeren Regionen. Ohne Trinkwasser und Sanitärversorgung breiten sich Krankheiten schneller aus. Kinder und Babys sind besonders gefährdet. Viele sterben an den Folgen. Es gibt aber nicht nur gesundheitliche Risiken. Wer täglich einen langen Weg zur Wasserquelle laufen muss, verpasst zudem die Chance auf Bildung.

Welche Hilfe brauchen Entwicklungsländer? Die Entwicklungshilfe baut in vielen Regionen solarbetriebene Pumpen, Wasseraufbereitungsanlagen, Filter und Brunnen. Die Technik sorgt für sauberes Wasser – und kommt dabei häufig sogar ohne Strom aus. So fließt das Wasser auch im Krisenfall, wenn die Stromversorgung abbricht. Immer wieder tüfteln Forscher an neuen Systemen. Weiter unten stellen wir eine Auswahl vor.

Wasser ist ein Menschenrecht!

Die Vereinten Nationen (UN) haben bereits im Jahr 2010 das Recht auf sauberes Wasser als Menschenrecht erklärt. Das Grundrecht ist zwar nicht einklagbar, aber die Resolution hatte einen hohen symbolischen Wert. Sie schob den Ausbau der Wasserinfrastruktur weltweit an. Das war gut, reichte aber nicht. Kritiker bemängeln von Beginn an, dass der Plan für die Umsetzung zu ungenau sei. Auch zehn Jahre später haben viele Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser. Der Klimawandel und steigende Wasserbedarf verschärfen die Situation noch.

Jährlich gibt es zum Weltwassertag am 22. März einen Weltwasserbericht. Diesen erstellt die Unesco im Auftrag der Vereinten Nationen (UN). Der Bericht 2020 zeigt: Über 90 Prozent des Abwassers versickert unbehandelt. Das belastet die Umwelt und Trinkwasservorräte. Zudem steige der Wasserbedarf jährlich um ein Prozent. Im Zeitraum über 100 Jahre habe er sich etwa versechsfacht. Die Unesco fordert im Bericht, mehr innovative Techniken zu nutzen und Abwasser besser aufzubereiten. Das würde zugleich das Klima schützen. Denn: Die weltweite Abwasseraufbereitung trage mit drei bis sieben Prozent zu den weltweiten Treibhausgas-Emissionen bei. Es geht auch anders: In Peru, Jordanien und Mexiko sind bereits nachhaltige Systeme im Einsatz. Diese nutzen die Abwasseraufbereitung zugleich als Energiequelle.

Woher kommt das Wasser?

Ich glaub, ich seh Blau: Zwei Drittel unserer Erde sind mit Wasser bedeckt. Kein Wunder, dass die Erde auch “blauer Planet“ heißt. Das Wasser aus den Ozeanen ist jedoch nicht trinkbar. Das enthaltene Salz trocknet unseren Körper eher aus, als dass es ihn mit Flüssigkeit versorgt – wenn wir es trinken würden. Wir brauchen Süßwasser zum Überleben. Schätzungsweise sind aber nur weniger als drei Prozent des Wasserressourcen auf der Welt Süßwasser. Laut Umweltbundesamt kommt lediglich 13 Prozent des Trinkwassers aus Talsperren, Flüssen und Seen. Der Großteil wird aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Grundwasser ist weltweit die wichtigste Süßwasserquelle.

Aber was bedeutet Grundwasser überhaupt? Damit ist Wasser gemeint, das aus dem Boden kommt. Wir nutzen es zum Trinken, Waschen, für die Toilettenspülung, für Industrie und Landwirtschaft. Das Grundwasser erneuert sich stetig durch einen natürlichen Kreislauf: Sonnenstrahlen erwärmen die Gewässer der Erde. Es bildet sich Wasserdampf, der nach oben steigt. Bei dieser Verdunstung entsteht Luftfeuchtigkeit. In höheren Luftschichten kondensiert Wasser zu Nebel, Wolken bilden sich. Diese bringen das Wasser in Form von Regen, Hagel und Schnee zurück auf die Erde. Im Boden versickert ein Teil des Wassers in kleine Hohlräume. Das Wasser in den Hohlräumen nennt man Grundwasser. Es ist so sauber, weil Steine, Kies und Erde es filtern. In Deutschland nimmt der Grundwasserspiegel im Winter durch die Niederschläge zu – und im Sommer ab.

Das Grundwasser-Vorkommen ist regional unterschiedlich. In den trockenen Wüstenregionen Afrikas und Asiens ist es besonders gering. In Europa ist es größtenteils hoch. In Indien sinkt der Grundwasserspiegel seit Jahren rapide, Trinkwasser-Not droht. Und damit ist Leben bedroht. Der menschliche Körper besteht zwischen 50 und 70 Prozent aus Wasser. Im Alter nimmt der Wassergehalt ab – das zeigt sich etwa durch Falten auf der Haut. Ohne Flüssigkeit überleben wir nur wenige Tage.

Warum ist Wasser nicht gleich Trinkwasser?

In Deutschland fließt Leitungswasser in hoher Qualität aus dem Wasserhahn. Nahezu alle Haushalte sind an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Du kannst Leitungswasser in der Regel bedenkenlos trinken. Das ist nicht in jedem Land der Welt so und auch in Europa nicht selbstverständlich. 57 Millionen Menschen in Europa und Nordamerika haben keine Wasserleitungen in ihren Häusern.

Laut Weltwasserbericht sind 50 Länder der Welt unter Wasserstress. Das heißt: Sie nutzen mehr als 40 Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen. Davon betroffen sind nicht nur nordafrikanische Länder mit hoher Wasserknappheit wie Marokko, Tunesien und Ägypten. Auch in Spanien, Belgien und Zypern ist Wasser knapp.

Unsauberes Trinkwasser hat Folgen für die Gesundheit: von Durchfall bis zur tödlichen Epidemie. Die Cholera etwa ist eine Infektionskrankheit, die über verseuchtes Wasser übertragen wird. In der EU gibt es konkrete Parameter, nach denen die Mitgliedstaaten die Trinkwasserqualität beurteilen. Dazu zählen unter anderem folgende Punkte:

  • Das Wasser muss normal riechen und darf nicht gefärbt oder trübe sein.
  • Leitfähigkeit und pH-Wert werden gemessen.
  • Der Anteil an Blei, Kupfer, Nickel und Nitrat wird kontrolliert. Grenzwerte pro Liter dürfen nicht überschritten werden.
  • Das Wasser wird auf Pestizide geprüft.
  • Es dürfen keine Darmbakterien im Wasser vorkommen.

In vielen Entwicklungsländern fehlen Wasserkontrollen. Die Menschen trinken verunreinigtes Wasser. Vor allem Kinder sind gefährdet. Laut dem Kinderhilfswerk Unicef sterben jährlich millionenfach Kinder an den Folgen von unsauberem Wasser. Im Sudan etwa wurden im Bürgerkrieg Brunnen zerstört. Familien holen also Wasser aus Flüssen. Dieses ist häufig mit Keimen und Bakterien belastet und führt zu Durchfall, der tödlich enden kann.

Damit unsauberes Wasser zu Trinkwasser wird, muss es aufbereitet werden. Filter und Membranverfahren entfernen selbst kleinste Partikel aus dem Wasser. Als umweltschonendes und chemiefreies Verfahren gilt das Langsamsandfilterverfahren. Dabei wird Wasser aus Flüssen mit langsamer Geschwindigkeit durch Sandschichten geführt. Der Sand filtert Schadstoffe.

Wasser bedeutet Leben: Brunnenbau, Wasserfilter & Co. in Entwicklungsländern

Bei vielen Menschen fließt der Fluss am Haus vorbei, aber das Wasser ist schmutzig. Oder es gibt Wasser nur achtzig Meter entfernt – allerdings sind das achtzig Meter nach unten ins Erdreich. Wie kommt man daran? Wie gut, dass es Tüftler gibt, die solche Zustände ändern wollen und clevere Ideen zur Wasseraufbereitung ausarbeiten. Wir stellen einige vor:

 

  • In Entwicklungsländern, abgelegenen Regionen und im Katastrophenfall fehlt oft die Infrastruktur, um aus Wasser Trinkwasser zu machen. Zwei Magdeburger entwickelten eine Technik, die die Strömungskraft des Wassers als Energiequelle für das Filtersystem nutzt. Das System ist wie ein Floß, mobil und funktioniert wie eine schwimmende Pumpe. Es ist beispielsweise in Kenia im Einsatz. Kleine Siedlungen an Flüssen etwa kommen so an Trinkwasser. Aus der Idee wurde ein Start-up namens Inflotec. Was besonders ist: Das schwimmende Kraftwerk produziert keine Emissionen und greift nicht nachhaltig in die Natur ein. Es produziert sogar überflüssigen Strom, den die Menschen etwa zum Handyaufladen nutzen können.
  • Brunnenanlagen gab es schon im alten Ägypten. Die Menschen gruben tief in die Erde, bis sie auf Grundwasser stießen. Auch heute ist der Brunnenbau ein wichtiges Instrument, um Menschen mit Trinkwasser zu versorgen. In ärmeren Ländern wie Äthiopien fehlt den Menschen Technik, um tief ins Erdreich zu bohren. Entwicklungshelfer unterstützen den Bau von Brunnen und rücken mit Tiefbohrmaschinen an. Ein Brunnen ist oft ein Segen für das gesamte Dorf und spart den Menschen lange Fußwege zum Wasser. Kinder, die sonst den Tag nutzen zum Wasserholen mussten, können dank der Wasserversorgung zur Schule gehen. Frauen haben mehr Zeit für ihre Familien.
  • In Bolivien erschwert der Klimawandel vielen Bauern das Leben: Es regnet entweder zu wenig – oder zu viel. Wasserspeicher sind nötig. Die Organisation Brot für die Welt unterstützte etwa einen Landwirt, der mit seiner Familie auf über 3.000 Meter Höhe lebt. Zur nächsten Wasserquelle muss die Familie 800 Meter bergab laufen – und mit gefüllten Krügen wieder bergauf. Der Landwirt baute mit Hilfe von Fachleuten einen Nebelfänger aus einem Plastiktuch und zwei Stangen. Durch das Kondenswasser kommen in eineinhalb Stunden 50 Liter Wasser zusammen, selbst in trockenen Zeiten. Damit kann die Familie ihre Äcker bewässern. Die Konstruktion sichert ihr Überleben.