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AKTE

Unschuldig im Gefängnis

Staffel 2021Episode 4623.11.2021 • 22:25

Unschuldig im Knast: was klingt wie ein Filmtitel, ist tatsächlich einem Familienvater aus Baden-Württemberg passiert. Fast ein Jahr lang sitzt der 44-Jährige völlig zu Unrecht hinter Gittern - Warum? Die Justiz hält ihn für den Big Boss einer international agierenden Drogenbande. Noch immer kämpft die gesamte Familie mit den gesundheitlichen und finanziellen Folgen.

Unschuldig im Gefängnis: Diese Entschädigung steht Betroffenen zu

Der Grundsatz “Im Zweifel für den Angeklagten” dient dazu, Unschuldige vor einer Verurteilung zu schützen. Dennoch kommt es in einigen Fällen vor, dass unschuldige Menschen verurteilt werden und einen kostbaren Teil ihrer Lebenszeit im Gefängnis verbringen - in Extremfällen sogar mehrere Jahrzehnte. Wird die Unschuld der zu Unrecht eingesperrten Menschen nachträglich bewiesen, leiden sowohl sie selbst als auch ihre Familie häufig an den gesundheitlichen sowie finanziellen Folgen. Hier kommt die Entschädigung zum Tragen. 

Wer hat Anspruch auf eine Entschädigung?

Eine Entschädigung kommt vor allem dann zum Tragen, wenn ein Unschuldiger oder eine Unschuldige Strafhaft oder Untersuchungshaft erleiden müssen. Vor allem das Strafverfolgungsentschädigungsgesetz (StrEG) kommt hier in Betracht. Doch auch weitere Fälle ermöglichen das Einfordern einer Entschädigung. Wer unschuldig bis zum Freispruch in Untersuchungshaft kommt, sollte sich über den Anspruch auf Entschädigung informieren, denn häufig bedarf es neben dem Bestehen eines dringenden Tatverdachts auch einen Haftgrund wie Fluchtgefahr oder Verdunkelungsgefahr, um einen Menschen festzuhalten. Für besonders schwere Delikte reicht jedoch ein dringender Tatverdacht aus - hier kommt es auf den Einzelfall an.

Wie hoch ist die Entschädigung für Unschuldige im Gefängnis?

Die Höhe der Entschädigung wird im Normalfall durch eine Pauschale bestimmt. 2021 beträgt diese 75,00 Euro pro Tag (§ 7 Abs. 3 StrEG). Diese Pauschale berücksichtigt jedoch nicht die persönliche Situation der Betroffenen. So kommt ein Anspruch auf den Ersatz des Vermögensschadens hinzu. Wer unschuldig im Gefängnis sitzt, ist nach seiner Entlassung so zu Entschädigen, dass das Vermögen dasselbe ist, als wäre er oder sie nicht im Gefängnis gewesen (§ 7 Abs. 1 StrEG).

Wann ist eine Entschädigung ausgeschlossen?

Doch nicht jeder oder jede unschuldig Inhaftierte hat einen Anspruch auf eine Entschädigung. So sind die Entschädigungsansprüche unwirksam, wenn der Betroffene seine Verurteilung sowie seine Inhaftierung vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht hat (§ 5 StrEG). Als grob fahrlässig gilt hierbei die Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht, beispielsweise beim Ablegen eines Geständnisses trotz Unschuld, bei der Flucht ins Ausland oder bei der Abgabe in sich widersprüchlicher Angaben von für den Fall wichtigen Informationen. Zudem kann eine Entschädigung ausgeschlossen werden, wenn der oder die Unschuldige nicht zu einer richterlichen Ladung erschienen ist. 

Justizirrtümer in Deutschland: Sie saßen unschuldig im Gefängnis

2010 und aktueller:

  • Matthias G. saß fast zwei Jahre unschuldig im Gefängnis. Er soll seine Tochter mehrere Jahre zum Sex genötigt haben - in einem zweiten Prozess wurde er freigesprochen.
  • Amed A. saß mehr als zwei Monate in Haft, weil man ihn verwechselte. Er starb aufgrund eines Zellenbrands am 17. September 2018 - erst dort kam seine Unschuld ans Licht.
  • Michael Perez wurde mehr als 10 Jahre in einer geschlossenen Psychiatrie festgehalten. Erst ein Buch seiner Schwester sorgte 2018 für seine Freiheit.
  • Clinton de Klerk verbrachte knapp zwei Jahre in Untersuchungshaft und war bereits zu einer Haftstrafe wegen Münzfälschung verurteilt wurden. Erst dann stellte sich heraus, dass kein Straftatbestand gegeben war.

Häufig gestellte Fragen

Unschuldig im Gefängnis - diese Thematik wirft bei Betroffenen sowie ihren Familienangehörigen und Freunden häufig viele Fragen auf. Und auch im Alltag ist es sinnvoll, über die wichtigsten Daten und Fakten informiert zu sein. Diese Fragen werden besonders häufig gestellt:

Wie viele Unschuldige sitzen im Gefängnis?

Durch Justizirrtümer werden in Deutschland durchschnittlich 1.000 Unschuldige pro Jahr verurteilt und kommen ins Gefängnis.

Wie hoch ist die Entschädigung für Unschuldige im Gefängnis?

Sitzt eine Person unschuldig im Gefängnis, steht dieser eine Pauschale von 75,00 Euro pro Tag zu (§ 7 Abs. 3 StrEG). Hinzu kann der Ersatz des Vermögensschadens kommen (§ 7 Abs. 1 StrEG).

Kann man unschuldig ins Gefängnis kommen? 

Für eine Verurteilung muss die Strafverfolgungsbehörde die Schuld des Straftatverdächtigten beweisen. Damit wird von der Unschuld einer Person ausgegangen, bis diese widerlegt ist. Hier greift der Grundsatz “Im Zweifel für den Angeklagten”.

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