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OXYTOCIN: WAS IST DAS?

Oxytocin ist ein Hormon, das im Gehirn produziert wird. Genauer gesagt, im Hypothalamus. Es zählt wie Dopamin, Serotonin oder Phenethylamin zu den Glückshormonen, die Glücksgefühle und Wohlbefinden hervorrufen können – meist durch eine stimulierende, entspannende oder schmerzlindernd-betäubende Wirkung. Deshalb bezeichnet man die Botenstoffe auch als "körpereigene Drogen".

Zwischenmenschliche Beziehungen sind das Spezialgebiet des Oxytocins. Das Neuropeptid, das am Geburtsprozess beteiligt ist, Wehen auslöst, den Milchfluss beim Stillen steuert und die Mutter-Kind-Bindung fördert, schweißt auch Weiblein und Männlein zusammen. Ins Spiel kommt es bei angenehmem Körperkontakt, bei Sinneswahrnehmungen, die wir mit Behaglichkeit verbinden. Den Beinamen "Kuschelhormon" trägt es also zurecht. 

DA GEHT EINIGES! WAS DAS "KUSCHELHORMON" IM KÖRPER BEWIRKT

Kann ein Hormon ein "Tausendsassa" sein? Offenbar schon. Oxytocin hat im Körper verschiedene Effekte. Einer davon ist, dass es bindungsverstärkend wirkt. Bei Müttern erfolgt eine Oxytocin-Ausschüttung bereits dann, wenn sie das Baby schreien hören oder ans Stillen denken. Berührungen tun ihr übriges. In dem Fall verwöhnt uns das "Kuschelhormon" mit einem wohligen Gefühl – und fördert außerdem die Empathie und das Vertrauen.

Der Kniff dahinter: Die Substanz stimuliert das Belohnungszentrum im Gehirn und hemmt gleichzeitig die Produktion des Stresshormons Cortisol. Dadurch werden Stressgefühle reduziert, Ängste gemildert, Aggressionen gedämpft. In der Neurochemie bringt man Oxytocin beim Menschen mit psychischen Zuständen wie Ruhe, Vertrauen und Liebe in Zusammenhang.

Aber die "Wunderdroge" hat noch mehr drauf: Sie macht uns auch sozialer, mitfühlender, hilfsbereiter, kooperativer, großzügiger. Einen Beleg dafür lieferten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn: Für die Studie verabreichten sie der Hälfte der Proband:innen Oxytocin per Nasenspray und ließen sie anschließend am Computer Spendengelder verteilen. Das Ergebnis: Die Oxytocin-Gruppe spendete doppelt so viel für humanitäre Projekte wie die "unbehandelte" Vergleichsgruppe.

KÜSSEN, KUSCHELN, SEX – WANN OXYTOCIN AUSGESCHÜTTET WIRD

Ein kleiner Ausflug in die Tierwelt: Nordamerikanische Präriewühlmäuse paaren sich beim ersten Zusammentreffen bis zu 40 Stunden am Stück und bleiben dann zeitlebens zusammen. Und es ist nicht nur so, dass die Nager streng monogam leben, sie tauschen auch bei jeder Gelegenheit Zärtlichkeiten aus. Forscher schreiben das dem tierischen Oxytocin zu.

Ob es da Parallelen zu uns gibt? Im Prinzip: ja. Bei intensiven Küssen, liebevollen Umarmungen oder zärtlichen Streicheleinheiten setzt das Gehirn Oxytocin frei. Beim Sex, insbesondere beim Orgasmus, wird eine größere Menge ausgeschüttet, was den Feel-Good-Effekt verstärkt. Man fühlt sich dem anderen nah, spürt ein Gefühl von Vertrautheit und Verbundenheit.

Und zur Treue verführt das Hormon auch. Männer unter Oxytocin-Einfluss sind immun gegen Verlockungen, nehmen ihre Partnerin attraktiver wahr als fremde Frauen, wie Studien belegen. Bei ihr dürfte es ähnlich sein.

Das Gehirn lässt sich übrigens austricksen. Auf Kuschelkurs kannst du dich auch ohne sie/ihn bringen. 7 Dinge, die dafür sorgen, dass der Oxytocin-Spiegel steigt:

  • Massage
  • Sauna
  • Tier-Streicheln
  • Singen
  • Licht-Stimulation
  • Lieblingsmusik
  • angenehmer Duft

OXYTOCIN KAUFEN: WIRKT DAS HORMON AUCH, WENN ES KÜNSTLICH ERZEUGT WIRD?

Man bestellt im Internet ein Oxytocin-Nasenspray und sprüht damit die großen Gefühle herbei? Experten warnen davor! Zum einen wisse man nicht, was genau in den Präparaten enthalten ist, zum anderen sei es ein Trugschluss, dass die bloße Einnahme von Oxytocin reicht, um Beziehungen zu verbessern.

Und ja, am therapeutischen Potenzial des Hormons wird geforscht. Während Oxytocin in der Geburtshilfe zur Wehenförderung bereits zum Einsatz kommt, prüfen Wissenschaftler noch, ob es beispielsweise auch bei Patient:innen anwendbar ist, die unter Angststörungen oder Depressionen leiden. Aber bis dahin gilt: Finger weg von Sprays, Lutschtabletten & Co., die mit Oxytocin angereichert sind und Heilung versprechen.

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