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IN EINE STIMME VERLIEBEN – GEHT DAS?

Hollywood lässt aufhorchen: Im Film "Her" verliebt sich ein Mann (Joaquin Phoenix) in die weibliche Stimme seines Computer-Betriebssystems (verkörpert von Scarlett Johansson) und führt mit "Samantha" eine virtuelle Beziehung. Doch ist das auch im echten Leben möglich – mit der Stimme eines echten Menschen? Man begegnet jemandem, hört sie/ihn reden und verknallt sich?

Faktisch verhält es sich so: 38 Prozent des ersten Eindrucks einer Person hängen von deren Stimme ab – daran machen wir fest, inwiefern uns die Person nett, kompetent oder souverän erscheint. 7 Prozent werden durch das beeinflusst, was gesagt wird, 55 Prozent entfallen auf Gestik und Mimik.

Darüber hinaus ist wissenschaftlich belegt, dass Schönheit auch in den Ohren des Betrachters liegt: Menschen mit einer wohlklingenden Stimme hält man auch optisch für ansprechend – und eine unangenehme Stimme kann das beste Aussehen "übertönen".

In umgekehrter Richtung zeigt sich ebenfalls Wirkung: Wir fühlen mit, wenn der andere spricht. Selbst Nähe, Geborgenheit und Vertrauen lassen sich akustisch erfahren. Verantwortlich dafür sind die Spiegelneuronen im Gehirn. Ein Resonanzsystem, das Gefühle und Stimmungen des Senders beim Empfänger zum Erklingen bringt. Daher kann es durchaus passieren, dass einen Amors Pfeil mitten ins Ohr trifft.

Welche Sinne noch bei Liebe und Partnerwahl eine Rolle spielen liest du hier.

 

VERRÄTERISCH & VERFÜHERISCH: DIE STIMME ALS "INTIME VISITENKARTE"

Unsere Stimme ist der Ausdruck unserer Persönlichkeit. Der Flensburger Sprachwissenschaftler Hartwig Eckert bezeichnet sie als "intime Visitenkarte". Aus ihr kann man mehr heraushören, als man denkt: Alter, Geschlecht, Nationalität, Charakter und allerhand Gefühle.

Ein Kind klingt heller als ein Erwachsener, sie hört sich anders an als er. Amerikanische Männer sprechen in der Regel tiefer als deutsche Männer, während Japanerinnen die höchsten Töne anschlagen. Selbstbewusstsein lässt sich stimmlich zuordnen, ebenso wie Schüchternheit.

Desinteresse erzeugt akustische Monotonie, Stress macht sich in einem gepressten Tonfall bemerkbar. Sind wir aufgeregt, zittert unsere Stimme, empfinden wir Angst, schnürt es uns die Kehle zu. Und ein "Ich liebe Dich", das nicht ernst gemeint ist, kommt den Ohren wackelig vor – so, als würde die Person, die es ausgesprochen hat, verbal auf Stelzen laufen.

Mit unserem Timbre können wir andere mitreißen, beruhigen oder aufregen. Und ja, das, was man hört, kann auch verführerisch sein. Zwei Drittel der Deutschen halten laut einer GfK-Umfrage die Stimme für einen wichtigen Faktor bei der Partnerwahl. Die Aussage "Eine schöne Stimme macht mein Gegenüber um einiges attraktiver" bestätigt(e) jeder Zweite. Und noch etwas: Unter den Dialekten gilt Bayrisch als besonders anziehend, unsexy sind Hessisch, Sächsisch und Pfälzisch.

 

WELCHE STIMMLAGE WIRKT ATTRAKTIV? WAS FRAUEN UND MÄNNER GERN HÖREN

Die Biologie hört mit! Ähnlich wie bei breiten Schultern (bei ihm) oder breiten Hüften (bei ihr) schließen wir auch vom Klang der Stimme auf die Fortpflanzungsfähigkeit unseres Gegenübers, auf genetische Qualitäten. Frauen bevorzugen bei Männern tiefere Stimmen und verbinden damit Dominanz, Kraft, Ausdauer, Kompetenz, Attraktivität.

Eine Vorliebe, die ihren Ursprung in der Steinzeit hat: Jäger mussten in der Lage sein, sich über größere Distanzen zu verständigen und sich unter Rivalen zu behaupten – sonst gab‘s am Abend keine Mammut-Steaks für die Familie. Und was die Stimme verspricht, hält meist das Aussehen: Das Sexualhormon Testosteron, das den bassigen Sound verursacht, sorgt bei ihm auch für markante Gesichtszüge, die ihr wiederum gefallen. Aber Achtung, kernige Typen mit kerniger Stimme gehen Studien zufolge weniger enge Beziehungen ein und neigen zu Seitensprüngen.

Männer mögen Frauenstimmen, die sanft und samtig klingen, Fruchtbarkeit und Jugendlichkeit signalisieren. Und es scheint kein Zufall zu sein, dass Frauen an den Tagen um den Eisprung herum in höhere Tonlagen verfallen. Nur piepsig darf‘s nicht werden, das törnt die Kerle ab. Aber da besteht heutzutage kaum Gefahr: Forscher der Universität Leipzig fanden heraus, dass deutsche Frauen inzwischen deutlich tiefer sprechen als noch vor 20 Jahren – als Folge der Emanzipation.

 

GEHÖRT, ABER NIE LIVE GESEHEN: KANN MAN SICH AM TELEFON VERKNALLEN? ODER VIA SPRACHNACHRICHT?

Hast du schon mal eine Stimme im Radio, über die Lautsprecher im Supermarkt oder an Bord eines Flugzeugs gehört und gedacht: "Wow, sexy!"? Oder wolltest du schon mal eine Person kennenlernen, mit der du lediglich telefoniert hast? Falls ja, ist das nicht verwunderlich. Eine interessante Stimme kann Lust auf mehr machen. Und sie verrät mehr als ein Foto.

Darauf setzen (inzwischen) auch Partnerbörsen im Internet: Einige bieten die Möglichkeit, neben Profilbild und Steckbrief auch eine Sprachnachricht zu hinterlassen. Bei der US-Dating-App "Waving" beispielsweise soll es gänzlich bilderlos funken. Die User wischen auf der Suche nach Mrs. oder Mr. Right nicht durch Fotos, sondern lauschen fremden Menschen. Tinder(n) per Stimme. Und auch bei "Whispar", dem europaweiten Pendant, lautet das Motto: "Love is in the ear".

Ob das funktioniert, sich in jemanden verlieben, den man gehört, aber nie live gesehen hat? Eine von "Whispar" in Auftrag gegebene Umfrage liefert die Antwort: 86 Prozent der Deutschen glauben daran, dass man sich in den Klang einer Stimme verlieben kann.

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