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Mit einem zufriedenen Nicken blickte Manuel Neuer auf die vielen Trophäen, die er anlässlich seiner Vertragsverlängerung sorgfältig in seinem Tor in der Allianz Arena aufgestellt hatte. «Ein bisschen Platz habe ich aber noch», sagte der 36-Jährige und zwinkerte vielsagend in die Kamera. Der Kapitän des FC Bayern München und der Fußball-Nationalmannschaft wird bis mindestens 2024 im Tor der Münchner stehen - und möchte natürlich auch die DFB-Auswahl bei der Heim-EM im selben Jahr anführen.

«Wir wollen unseren Meisterrekord ausbauen und im DFB-Pokal sowie in der Champions League ganz oben angreifen», kündigte Neuer nach einer Single-Saison neue Angriffe auf Double und Triple an. Der Weltmeister von 2014 selbst mag dabei «ein entscheidender Faktor» sein.

Nach der vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Identifikationsfigur Thomas Müller (32) ebenfalls bis zum 30. Juni 2024 dokumentiert der FC Bayern mit der Unterschrift Neuers nicht nur seine Titelambitionen mit dem Stamm des bisherigen Erfolgs-Ensembles.

Es ist zudem das klare Signal, dass selbst Weltfußballer Robert Lewandowski in München nur mit einer möglichen Vertragsverlängerung lediglich um ein Jahr bis 2024 rechnen könnte. Der Stürmerstar liebäugelt aber ohnehin mit einem Wechsel zum FC Barcelona, der ihn mit einem hoch dotierten Dreijahresvertrag locken will. «Für Robert Lewandowski ist der FC Bayern Geschichte», behauptete sein Berater Pini Zahavi (78) in der «Bild».

Zwischen dem von Uli Hoeneß im Zuge des Transfers von David Alaba zu Real Madrid vor einem Jahr «Piranha» getauften Zahavi und den Bayern ist ein öffentlicher Disput ausgebrochen. Beide Seiten wollen den Multi-Millionen-Poker mit dem zum Weltbesten seiner Zunft gekürten Lewandowski beeinflussen.

Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic erklärte, dass man dem Lewandowski-Berater «ein Angebot mit einer Laufzeit und einer Summe auf den Weg» gegeben habe. Der israelische Spielervermittler widerspricht dem. «Kein konkretes Angebot, keine Gehaltsgespräche», sagte dieser über das Treffen Ende April, als es einen Austausch zwischen den Bayern-Bossen und Zahavi bei einem Mittagessen in München gegeben hatte.

Ziel: Zweites Finale "dahoam"

Dass die Vertragsverlängerungen von Müller und nun von Neuer entscheidenden Einfluss auf das Kalkül von Lewandowski haben, ist nicht zu erwarten. Ebenso nicht, dass sich der polnische Superstürmer von den Bayern wegstreiken würde, wenn er keine Freigabe bekommen sollte. Danach sieht es aktuell aber aus, denn die Bayern-Bosse haben mit Nachdruck einen Abgang des Torgaranten vor dessen Vertragsende am 30. Juni 2023 ausgeschlossen.

Leichter als bei Lewandowski waren da die Verhandlungen bei Müller und Neuer, deren Bayern-Karrieren bei entsprechender Gesundheit und Topleistungen auch über 2024 hinaus weiterlaufen dürften. «Manuel ist eine der prägenden Figuren in der Geschichte des FC Bayern», hob Vorstandschef Oliver Kahn in der Mitteilung vom Montag hervor. Der einstige Torwart-«Titan» hatte schonmal prognostiziert, dass Neuer noch eine lange Zeit als Weltklasse-Torwart agieren werde und sogar die Altersgrenze von 40 Jahren knacke.

Die Nummer 1 der deutschen Nationalmannschaft war 2011 vom FC Schalke 04 nach München gewechselt. Seit 2017 ist Neuer der Kapitän des deutschen Rekordmeisters. Zehn deutsche Meisterschaften, fünf Pokalsiege, zwei Champions-League-Triumphe und je ein Sieg bei Club-WM und im europäischen Supercup stehen in der persönlichen Erfolgsbilanz.

«Wir werden wieder eine sehr gute Mannschaft haben, mit der wir um alle Titel spielen können», sagte Neuer. Den ehrgeizigen und vor der WM 2018 in Russland lange verletzten Torhüter reizt natürlich auch das zweite Königsklassen-Finale «dahoam» im Jahr 2025 in der Münchner Arena.

Spannend ist, was jetzt aus Alexander Nübel wird. Der heute 25-Jährige war im Sommer 2020 ablösefrei vom FC Schalke 04 zum FC Bayern gewechselt, um Nachfolger von Neuer zu werden. Vier Pflichtspiele durfte er nur für die Münchner bestreiten, er ist bis zum 30. Juni 2023 an AS Monaco ausgeliehen. Als Ersatztorhüter hinter Neuer wird sich Nübel, dessen Vertrag in München bis zum 30. Juni 2025 datiert ist, nicht einreihen wollen.

«Manuel spielt seit 2011 beim FC Bayern, er ist unser Kapitän, er ist über so viele Jahre hinweg der beste Torwart der Welt und natürlich einer unserer Schlüsselspieler», sagte Salihamidzic. «Er wird weiterhin einen gewichtigen Anteil daran haben, dass wir unsere Ziele erreichen können.» Ob das auch für Lewandowski gilt, ist die große Frage des Fußball-Sommers.