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Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht gewährt in einer Biografie tiefe Einblicke in die Beweggründe für ihren Rückzug aus der ersten Reihe. Wagenknecht hatte wegen Burn-out Anfang des Jahres eine Auszeit genommen und dann angekündigt, nicht erneut als Fraktionsvorsitzende zu kandidieren.

Die Auszeit sei ihr vom Arzt verordnet worden, Wagenknecht habe in dieser Zeit sogar darauf verzichtet, ihre Emails zu lesen, schreibt Autor Christian Schneider in dem Buch "Sahra Wagenknecht - Die Biografie". Es erscheint an diesem Donnerstag.

 Wagenknecht ist "keine Rudelführerin"

Dem Verlag zufolge gewährte die Fraktionschefin dem Autor Zugang zu ihrem engstem Kreis, unter anderem zu ihrer Mutter - was sie der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Während der Krankheit und Zwangspause von der Politik seien Wagenknecht auch die Grenzen ihrer politischen Fähigkeiten bewusst geworden. Sie könne Menschen gewinnen, aber letztlich sei ihr das politische Handwerk fremd, zitiert Schneider die 50-Jährige. "Also, den Apparat zu beherrschen, das liegt mir nicht. Die Fraktion zu führen, das macht eigentlich Dietmar Bartsch. Und das gehört ja eigentlich zur Politik: Leute zusammenholen, zu strukturieren, mit Leuten umzugehen."

Eigentlich sei sie gar keine Politikerin, wird Wagenknechts Mutter in der Biografie zitiert. Diese Einschätzung teile auch ihr Ehepartner Oskar Lafontaine (Linke) "in mancher Hinsicht", heißt es. "Für ihn ist sie das klassische Einzelkind mit der hohen Intelligenz und den vielfältigen intellektuellen Begabungen, "keine Rudelführerin" - eine Fähigkeit, die für ihn unverzichtbar im politischen Geschäft ist", schreibt der Autor.

Schon als Kind Einzelkämpferin

Eine Einzelkämpferin war Wagenknecht schon als Kind, auch weil sie ausgegrenzt wurde wegen ihres Aussehens. Ihr Vater war iranischer Student. Beschrieben werden Situationen aus der Schulzeit: "Von Mitschülern wird sie gefragt, ob sie denn aus China komme. (...) Irgendwann antwortet Sahra auf die drängenden Frage nach ihrer vermeintlich asiatischen Herkunft einfach mit: "Ja". Von da an ist sie die "Chinesin"."

Aber Wagenknecht wehrt sich auch: "Sie kann die meisten ihrer Peiniger, auch die Jungs, kräftemäßig durchaus in Schach halten. Bis in ihr elftes Lebensjahr ist sie (...) stämmig und stark, mit Tendenz zum Übergewicht. Und wehrhaft (...) Wird sie verhöhnt, angegriffen, beleidigt, lässt ihre Antwort nicht auf sich warten. Sie prügelt, kratzt, reißt Haare aus."

Die Zeit der großen Kämpfe in der Politik geht für Wagenknecht voraussichtlich in diesem Herbst zu Ende. Das Amt als Co-Fraktionschefin neben Bartsch will sie noch bis zur Neuwahl der Fraktionsspitze ausüben - das wird voraussichtlich nach der Landtagswahl in Thüringen Ende Oktober passieren.