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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht ein Ende der Maskenpflicht in der Corona-Pandemie in weiter Ferne. "Solange wir im Durchschnitt täglich mehrere Hundert neue Infizierte haben, wird sie überall bleiben müssen, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wird", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag). "Ich bin weder Gesundheitspolitiker noch Virologe, aber für eine generelle Abschaffung der Maskenpflicht ist es eindeutig zu früh." Zwar müssten Mediziner und Politik neu nachdenken, "wenn wir bei den Infektionen dauerhaft zweistellig sind", es gebe aber "keinen Automatismus".

Zahl der Neuinfektionen schwankt

Im Moment ist nicht absehbar, dass die Zahl der registrierten Neuinfektionen in Deutschland dauerhaft unter 100 pro Tag sinkt. Seit Anfang Juni schwanken die bundesweiten Zahlen abhängig vom Wochentag zwischen rund 150 und gut 500 - von einzelnen Ausreißern nach regionalen Ausbrüchen abgesehen. Das Robert-Koch-Institut meldete am Sonntag 248 neue registrierte Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Es gibt aber auch Regionen, aus denen so gut wie keine Neuinfektionen mehr berichtet werden. Für die Zeit nach den Sommerferien, wenn viele Reisende zurückgekehrt sind und der Schulbetrieb beginnen soll, befürchten viele aber wieder einen Anstieg der Zahlen.

Altmaier betonte: "Wir müssen weiter vorsichtig sein. Übermut und dadurch ausgelöste neue Infektionswellen schaden der Wirtschaft am Ende am meisten."

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, angesichts der niedrigen Infektionszahlen im Norden Anfang August ein Ende der Maskenpflicht im Handel seines Landes zu beschließen. Er war damit auf breite Kritik gestoßen, der Vorstoß wurde von der Staatskanzlei seines Landes relativiert.

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer teilte der dpa mit, nötig sei eine regional differenzierte Hotspot-Strategie von Bund und Ländern, auch für die Maskenpflicht. "Denn Einschränkungen von Grundrechten müssen verhältnismäßig und nachvollziehbar sein, um den Schutz der Gesundheit und verfassungsrechtlich garantierter Freiheitsrechte zu vereinen."

Norbert Röttgen, Kandidat für den CDU-Vorsitz, wandte sich klar gegen eine zu schnelle Lockerung der Maskenpflicht. "Wir sind noch nicht durch mit der Pandemie. Der Sommer mag da etwas trügen", sagte der Kandidat für den CDU-Vorsitz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Print: Montag). Distanzhalten, Maskentragen und Händewaschen seien die wirksamsten Schutzmaßnahmen. "Der Mund-Nase-Schutz mag lästig sein, wirklich belastend ist er aber nicht."

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warnte davor, das Virus zu unterschätzen, "auch wenn man jung und gesund ist". "Die Symptomspannbreite reicht vom milden Verlauf über Langzeitschäden bis zum Tod", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag). "Solange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir alle vorsichtig bleiben."

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sprach sich ebenfalls gegen einen vorschnellen Verzicht auf Sicherheitsvorkehrungen aus. "Wir sollten jetzt nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Lockerungen ausreizen, sondern immer mit einem gewissen Sicherheitspuffer handeln", sagte die CDU-Politikerin der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). "Wir müssen an der gegenwärtigen Maskenpflicht und den Abstandsregeln festhalten", unterstrich Karliczek.

Bürger meiden öffentliche Verkehrsmittel

Aus Sorge vor Ansteckung meiden viele Bürgerinnen und Bürger in der Corona-Krise öffentliche Verkehrsmittel, auch, weil manche - etwa in Berlin - sich nicht an die Maskenpflicht halten. Die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs ist seit März stark zurückgegangen. Nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VdV) sank die Zahl der Fahrgäste während der Zeit der strikten Beschränkungen auf 20 Prozent des üblichen Aufkommens. Inzwischen fahren zwar wieder mehr Menschen Bus und Bahn, doch die Lage der Verkehrsbetriebe bleibt angespannt. Mitte Juni lag die Nutzung bei 40 bis 60 Prozent.

Der Deutsche Städtetag forderte die Bürger daher auf, wieder verstärkt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich Fahrpersonal oder Fahrgäste überdurchschnittlich im Nahverkehr mit dem Coronavirus angesteckt hätten", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Online, Print Montag). Das zeige, dass die Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht wirkten. Allerdings wird sie in Nahverkehrsmitteln nicht überall eingehalten.

Linken-Chef Bernd Riexinger teilte die Forderung, verlangte aber: "Die Taktung muss erhöht werden, um überfüllte U-Bahnen zu vermeiden." Die von der Bundesregierung geplante Beihilfe von 2,5 Milliarden Euro reich nicht aus, sagte er den Funke-Zeitungen.

Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth, sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine Aufhebung der Maskenpflicht sei nur dann sinnvoll, wenn sich Kunden und Mitarbeiter auch ohne Mund-Nase-Schutz beim Einkaufen wohl fühlten. "Es geht darum, die Maskenpflicht, sobald es die medizinische Situation vernünftig und für Kunden sowie Mitarbeiter sicher erscheinen lässt, abzuschaffen", fügte er hinzu.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt warnte: "Wir dürfen nicht übermütig werden und müssen wachsam bleiben. Auch wenn die Masken manchmal nerven, sind sie gerade auch ein Zeichen von Solidarität."