- Bildquelle: Felix Stridde © Felix Stridde

il Civetto können alles und jeden in Bewegung bringen. Und die Berliner Band tut das seit Jahren mit einem verrückten, internationalen, auf Genres und Grenzen pfeifenden Sound, der wirklich einzigartig ist. Irgendwo zwischen Folk, Jazz, Dancehall, Pop, Balkanmusik, Ska und Swing musizieren die Herren, vermischen die Sangessprachen, suchen oder machen die Party, auf der jeder willkommen ist. 2010 gegründet, spielten il Civetto zunächst auf der Straße und in U-Bahnstationen. Was dann schnell in einen wilden Tanz ausartete, der alle anwesenden mitriss. Das brachte ihnen zwar auch mal freundlich-bestimmte Verwarnungen der Polizei und des Ordnungsamtes ein – aber eben auch eine Booking-Agentur.

Seitdem haben die waschechten, aber viel reisenden Berliner zwei Alben und einige EPs veröffentlicht, über 400 Konzerte gespielt und nun ihr drittes Album im Köcher. Dafür waren sie unter anderem mit Tim Tautorat im Studio, der auch für AnnenMayKantereit, Faber und Provinz an den Reglern saß.

Die erste Single daraus ist eine Verneigung vor einem Berliner, der sicher seine Freude an der Musik von il Civetto gehabt hätte: Rio Reiser nämlich, selbsternannter „König von Deutschland“ und mit seiner Band Ton Steine Scherben eine der wichtigsten Stimmen in Sachen politischer Musik. il Civetto haben für ihn „Rio-Reiser-Platz“ geschrieben und beweisen in Strophen wie dieser, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben: „Wir bleiben heute im Bett und halten uns an unserer Liebe fest, stellen den Wecker auf 1. Mai / Für immer und dich, für immer diese Nacht, in deinem Zimmer hier am Rio-Reiser-Platz“.

Sängerund BassistLeon Keiditsch belässt es dann aber nicht bei einem bunten Referenz-Blumenstrauß, sondern webt auch aktuelle politische Berlin-Themen ein. „Rio-Reiser-Platz“, das übrigens an Reisers 25. Todestag erscheint, verhandelt auf clevere Weise die aktuellen Gentrifizierungsdiskurse zwischen linker Tradition und turbokapitalistischer Gegenwart. Der mit Funk-Fieber infizierte Pop-Song bekommt bei all dem dann auch noch die Unterstützung des SEEED-Posaunisten Jérôme Bugnon und wurde im wohl legendärsten Studio Berlins aufgenommen: den Hansa Studios. Mehr Berlin geht also nicht – und das, obwohl il Civetto weiterhin so klingen, als wären sie musikalisch auf der ganzen Welt zuhause.

Das offizielle Video