- Bildquelle: Polydor (Universal Music) © Polydor (Universal Music)

Es sind die kleinen Wendungen, die Beatrice Eglis Schlagerhits so besonders machen. Das merkt man gleich beim Titelsong ihres mittlerweile neunten Studioalbums „Alles was du brauchst“. Musikalisch hat dieses Lied alles, was der moderne Schlager braucht: Diesen fluffigen Beat, den man rhythmisch mitklatschen kann, wenn man bei einer dieser großen Schlager-TV-Shows sitzt. Eine Art sanften „Drop“ im letzten Songdrittel, der auf vollen Tanzflächen besonders gut funktionieren wird. Und natürlich eine unwiderstehliche Stimme, dezent elektronisch poliert, die auf einer gnadenlos guten, weil eingängigen Melodie surft. Aber dann ist da dieser Text, der die Sache spannender macht: Während der Schlager sonst gerne die große Liebe besingt, den einen Partner, den es braucht, um sich zu verwirklichen, dreht Egli hier die Message in eine andere Richtung. Sie singt: „Du bist alles, was du brauchst im Leben / Aus der Routine raus, dem Herzen entgegen / Einmal frei sein, einmal fliegen / Lass die Zweifel einfach liegen / Alles was du brauchst im Leben / Aus der Routine raus dem Herzen entgegen / Einmal 007-Style / Machst du mit?“ Ganz recht, Beatrice Egli besingt hier keinen konservativen Hetero-Pärchen-Eskapismus, sondern eine Hymne auf die persönliche Selbstverwirklichung, die man ganz gut alleine hinbekommt – vor allem als Frau, und dann auch gerne im „007“-Style.

Die 16 neuen Songs auf dem Album der Schweizerin drehen sich dabei alle, mal mehr mal weniger, um das Thema „Female Empowerment“. Selbst ein Song mit dem Titel „Matterhorn“ hat dabei eine fast explizit feministische Agenda. Zu einem entspannten Reggae-Rhythmus singt Egli auf Schwyzerdütsch über den bekanntesten Berg ihrer Heimat, tut das aber in Bezug auf eine konkrete Aktion, an der sie teilnahm: Im Juli 2021 bestiegt sie mit einem Team aus Frauen das Matterhorn – mit 4478 Meter einer der höchsten Berge der Alpen. Die Aktion fand im Rahmen der „100 % Women Peak Challenge“ statt, bei der innerhalb eines Jahres alle 48 Viertausender-Gipfel der Schweiz von Frauen bestiegen werden. Der Luzerner Zeitung sagte sie später im Interview: „Ich bin jemand, der immer sehen will was geht und nicht, was nicht geht. Ich wollte etwas ausprobieren, das ich sonst vielleicht nie getan hätte. Die Tour aufs Matterhorn ist das definitiv.“

Auch die starke Nummer „Power“ wirkt wie ein Schubs in Richtung Selbstliebe und Empowerment. Dort singt Beatrice Egli: „Am Ende der Ausreden beginnt das Leben. Der größte Fehler ist die Angst vorm Fall.“

Beatrice Egli hat „Alles was du brauchst“ in Spanien aufgenommen. Sie braucht den Abstand zum Gewohnten, um sich mit ihrem Team frei zu entfalten. Das war schon beim Vorgänger „Natürlich!“ so, den sie in Australien einspielte. Diesmal ging es – pandemiebedingt – nicht bis ans andere Ende der Welt. Sie blieb in Europa, in Spanien. Aber nicht etwa in eine der Touristen-Hochburgen, sondern in Granada: „Ich lasse mich bei der Produktion eines Albums gerne von neuen Orten und Menschen inspirieren. Ein Ort wie eben Granada, der erst einmal weniger bekannt, aber wunderschön ist.“ Denn: „Auf unserer Erde gibt es so viele wunderbare Orte, die kaum jemand kennt. Sie zu finden, das ist für mich Urlaub und Abenteuer. Es ist Freiheit, selbst dann oder besonders dann, wenn es schwer war, diese Orte zu erreichen. Ich weiß, im Moment ist das Reisen wegen Corona schwierig, aber wir alle hoffen, dass es bald wieder besser ist.“

Das Highlight ihres neuen Albums ist dann zugleich der haltungsstärkste Song: „Ganz egal“, der schon zuvor als Single ausgekoppelt wurde. Hier wird Beatrice Egli beinahe giftig, wenn sie die „Hater“ ins Visier nimmt, und nimmt all jene in den Arm, die im Internet und auf der Straße von Body-Shaming, Lästereien und verbalen Übergriffen betroffen sind. Sie singt in einer Strophe: „Du bist fett, schau dich an / Das will doch keinеr sehen! / (Alter bist du fеtt, warum musst du fett sein?) / Zu viel Arsch, zu viel Haut, lässt du dich immer so gehen? / (Schau dich an, das will doch keiner sehen!) / Es tut weh, wenn sie so reden / Glaube mir, ich kenn das auch / Aus deiner Wut, wird jetzt ein Beben / Schrei es raus! (Schrei es raus!).“ Und im Refrain heißt es: „Ganz egal, was alle sagen /  Ganz egal, wer dich grad disst / Komm steh auf, geh raus und zeig /  Schau d

ich an, wie schön du bist?“ Egli sagt über das Lied: „Jeder Mensch ist wie er ist, der eine eben etwas dicker , der andere dünner, aber das sagt doch nichts über den Charakter des Menschen aus. Ich möchte jeden ermutigen, zu sich zu stehen, vom Kopf bis zur Zehenspitze.“

Offizielles Video