Tierretter im Einsatz

"Jedes gerettete Leben zählt!"

Interview mit PETA Mitarbeiter Stefan Bröckling

Stefan Bröckling engagiert sich seit 15 Jahren für den Tierschutz. Der Kameramann, und Fotoreporter arbeitet seit 2008 für die Tierschutzorganisation "PETA Deutschland e.V." PETA ist das Kürzel für "People for the Ethical Treatment of Animals". Ziel der Organisation ist es, durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

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© SAT.1

Seit wann engagieren Sie sich für den Tierschutz?

Für den Tierschutz engagiere ich mich seit 1992. Allerdings war es ein langer Weg vom ehrenamtlichen Helfer an Infoständen bis zur Leitung des professionell arbeitenden Einsatzteams bei PETA Deutschland e.V. 

Was waren Ihre Beweggründe?

Während meines Zivildienstes musste ich nur sehr wenig arbeiten und hatte viel Freizeit. Ich wollte mich für eine gute Sache einsetzen. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon etwa vier Jahre Vegetarier war, habe ich es mit dem Tierschutz versucht. Dass dieser Schritt mein ganzes Leben verändern würde, war mir damals noch nicht klar. 

Zählen Sie die Tiere, die Sie in den vergangenen Jahren gerettet haben?

Sicher könnte ich grob überschlagen, wie vielen Tieren ich mit meinem PETA-Team in den vergangenen Jahren das Leben gerettet habe. Das habe ich aber nie getan. Und ich werde es auch nicht tun. Denn eines weiß ich ganz gewiss: Es werden immer zu wenige sein. 

Sie geraten oft in brenzlige Situationen. Was war ein Moment, bei dem Sie dachten, das war‘s jetzt?

Wir sind bei unserer Arbeit grundsätzlich übervorsichtig. Trotzdem gibt es hin und wieder Situationen, die nicht ungefährlich sind. Erst letztes Jahr ist ein Tiermessi aus Bremen mit einer Axt auf eine PETA-Kollegin und mich losgegangen.

Was motiviert Sie trotzdem weiterzumachen?

Unsere Arbeit ist in weiten Teilen sehr frustrierend. Oft gelingt es uns nicht, Tieren so zu helfen, wie wir es uns wünschen. Dabei kämpfen wir nicht nur gegen die Tierquäler, sondern immer wieder auch gegen die Veterinärbehörden, die eigentlich den Tierschutz überwachen sollen. Gerade wenn man so genannten Nutztieren, wie zum Beispiel Ziegen, Schafen, Pferden, Kaninchen, Rindern oder Schweinen helfen will, besteht immer die Gefahr, dass diese arg gebeutelten Lebewesen nach all dem Elend, das sie ertragen mussten, geschlachtet werden. Weil man auf ihr Leid aufmerksam machte. Sicher wären sie ohnehin irgendwann geschlachtet worden. Jedoch ist unsere Motivation immer, die Tiere zu retten. Aber in Deutschland ist Tierquälerei kaum mehr als ein Kavaliersdelikt. Das mag man kaum glauben, aber meine nunmehr 20-jährige Erfahrung bestätigt mich leider in dieser Ansicht.

Die Erfolge, die wir bei PETA erzielen, motivieren zum Weitermachen. Erst vor wenigen Wochen haben wir eine illegale Kaninchenfarm in Niedersachsen aufgedeckt. Als wir nachts dort heimlich filmten - noch bevor uns klar war, dass die Behörden den Betrieb gar nicht kannten - entdeckten wir zwei Kaninchen, die auf den Überresten eines seit langem verstorbenen Artgenossen vor sich hin vegetierten. Wir haben diese beiden Kaninchen einfach mitgenommen. Wir konnten sie dort nicht zurücklassen. Ein Bekannter fragte mich, was wir damit geändert hätten? In Deutschland werden jedes Jahr allein 30 Millionen Kaninchen gegessen. Ich sagte: Alles. Für diese beiden Kaninchen haben wir alles geändert.
Bei „Die Tierretter im Einsatz“ wird nur ein kleiner Bruchteil Ihrer Arbeit beleuchtet. Haben Sie die Hoffnung, dass dadurch die Öffentlichkeit "wachgerüttelt" werden kann?

Da wir bei PETA viel positive Resonanz bekommen, weiß ich, dass wir mit unserer Arbeit etwas bewirken. Heute ist die gesellschaftliche Akzeptanz für unsere Sache bedeutend höher als noch vor 20 Jahren. Daher ist für mich ein Erfolg spürbar. Doch andererseits werden immer mehr Tiere gegessen. Und da kann jeder Einzelne etwas tun. Eine Ernährung ohne Tierprodukte ist nicht nur leicht umzusetzen und gesund, sie rettet auch de facto Tierleben. Außerdem denke ich, dass Zuschauer durch unsere Sendung bewusster werden und öfter mal die Augen aufhalten. Jeder Fall von Tierquälerei, bei dem Menschen nicht mehr wegsehen und sich trauen Schritte einzuleiten, ist ein Erfolg für uns. Denn jedes gerettete Leben zählt. 

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit SAT.1?

Bei PETA Deutschland gehen täglich etliche Anfragen von Medienschaffenden ein. Nicht wenige davon betreffen meinen Bereich. Unsere Arbeit ist nicht nur sinnvoll, sie ist auch spannend. Journalisten berichten gerne über unsere Arbeit, und wir lassen uns dabei gerne begleiten. Denn nur so können wir eine Öffentlichkeit für das Anliegen der Tiere schaffen. 

Was raten Sie, wenn der Verdacht auf eine nicht artgerechte Tierhaltung besteht? Was kann man tun? An wen sollte man sich wenden?

Auf www.peta.de finden sich zahlreiche hilfreiche Tipps, wie gegen Tierquälerei effektiv vorgegangen werden soll. Zuerst einmal muss man dokumentieren, Beweise sammeln, die zuständigen Personen ansprechen. Oft sind Leute mit der Haltung von Tieren einfach überfordert. Eine freundliche Kontaktaufnahme und die daraus resultierende eventuelle Hilfestellung können manchmal schon zu positiven Veränderungen führen. Hilft das nichts, sollte man die zuständige Veterinärbehörde einschalten. Auch wenn wir mit denen nicht immer gute Erfahrungen machen, sollten sie zumindest die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeit zu tun. Wenn auch das nicht hilft, wäre der örtliche Tierschutzverein der nächste Ansprechpartner. Oder eben eine überregionale Organisationen, wie PETA Deutschland e.V.

Weitere Informationen zur PETA gibt es auf www.peta.de

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