Und Sie haben in Interviews von sich selbst in der dritten Person als "der Wendler" gesprochen, wie man das von römischen Cäsaren kannte; das kam wohl kaum überall gut an?
Das war mir klar: Wer so auf den Putz haut wie ich, der polarisiert und wird nicht von allen geliebt. Doch oft höre ich Leute sagen: "Dieser Wendler hat einen Knall, aber die Songs sind geil!" Ich meine, auch dieses Gerede in der dritten Person war alles ein Werbegag, um ein Image zu kreieren, und es hat ja schließlich auch den Erfolg gebracht hat. Heute ist das schon quasi Kult. (lacht)

Einige Medien haben diese Koketterie ebenfalls nicht verstanden und Sie, wie der "Tagesspiegel" als "Karikatur eines Schnulzensängers auf Süßstofftrip" bezeichnet. Hat das geschmerzt?
Das hat oftmals sehr, sehr geschmerzt! Andererseits hat mir das riesige Interesse der Medien aber auch geholfen. Vor etwa drei Jahren hat ein dreiseitiger Artikel im "Spiegel" – auch das hat es bei einem deutschen Schlagerstar noch nie gegeben – einen Wahnsinns-Hype ausgelöst. Mich haben zum Teil drei, vier Fernseh-Teams am Tag aufgesucht und wollten das Innerste nach außen kehren. Mein größtes Geheimnis aber, dass ich pleite war, das haben sie damals nicht entdeckt.

Irgendwann ist es aber dann doch raus gekommen...
Wobei ich damals, als es in den Medien breit getreten wurde, meine Schulden schon nahezu komplett abbezahlt hatte. Trotzdem bin ich stolz auf mich, dass ich diese Schulden, die ich überhaupt nicht verursacht habe, aus eigener Kraft bezahlen konnte. Ohne meine Karriere wäre mir das kaum gelungen.

© Sat.1

Sie sprechen von den Schulden Ihres Vaters, der nun auch nicht zum "Wendler-Clan" zählt?
Stimmt, mein Vater wird nicht dabei sein. Er hat einen großen Fehler gemacht. Als die Medien über mich hergefallen sind, hat mein Vater öffentlich Lügen über mich erzählt. Er hat u. a. behauptet, diese Schulden wären nicht von ihm, ich sei ein schlechter Kaufmann und gar ein schlechter Mensch. Das hat mich so sehr getroffen, dass ich den Kontakt zu meinem Vater völlig eingestellt habe.

Von Ihrer Frau wiederum ist bekannt, dass sie noch nie eines Ihrer Konzerte besucht hat und lieber im Hintergrund bleiben möchte; damit dürfte es nun allerdings vorbei sein...
Meine Frau wollte tatsächlich nie in die Öffentlichkeit und schon gar keine Home-Story machen. Als die Medien aber über mich hergefallen sind, ist ihr der Kragen geplatzt. Sie wollte der Öffentlichkeit zeigen, wie der Wendler wirklich ist, was er geschafft hat und dass er kein schlechter Mensch ist. Bin ich ja auch nicht. Immerhin habe ich etwas geschafft, was nicht allen gelingt: Ich habe meine hohen Schulden abbezahlt.

Befürchten Sie nicht, dass Ihre Tochter unter dieser Art der Öffentlichkeit leiden könnte?
Nein, meine Tochter kennt den Wirbel um meine Person von Geburt an. Wir sind Kult-Stars in Dinslaken. Wenn wir mit dem Auto durch die Stadt fahren, dann gibt es am Straßenrand La Ola-Wellen. Und meine Tochter tauscht in der Schule Autogramm-Karten gegen Butterbrote. Von daher bin ich ihr und meiner Frau sehr dankbar, dass sie ihr Okay gegeben haben. Beide stehen wie eine Eins hinter mir. So kann ich der Öffentlichkeit jetzt ungeschminkt zeigen, wie ich wirklich bin.

Und haben gleich noch ein Enthüllungsbuch geschrieben...
Mehr noch, das ist sogar ein Skandalbuch! (lacht)

Haben Sie keine Sorge, dass die Schlagerkonkurrenz nicht sonderlich erfreut reagieren könnte?
Noch ist es nicht veröffentlicht, es erscheint im März 2010. Deshalb muss ich jetzt unbedingt noch ein bisschen Geld verdienen, danach kann ich mich ohnehin nirgends mehr sehen lassen. (lacht). Beim Verlag ist man jedenfalls begeistert.

Interview: Andreas Kötter

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