Grundschule und dann?
Lernen und Verstehen
Lernen und VerstehenGrundschule und dann?
-
© dpaDie vierte Klasse stellt für die meisten Kinder in Deutschland eine besondere Anforderung dar – ist sie doch in der Mehrzahl der Bundesländer der Abschluss der Grundschulzeit. Jetzt werden die Weichen für eine weiterführende Schule gestellt. Hauptschule, Realschule oder Gymnasium – wohin soll ich mein Kind schicken?, lautet die Frage, vor der nun alle Eltern stehen. Auch ein Wechsel an eine private Schule, wie etwa eine Waldorfschule, kommt für manche in Betracht. Und selbst die Eltern sicherer Anwärter aufs Gymnasium stehen oft vor einer weiteren Entscheidung: Ist die achtjährige oder die neunjährige Variante besser für ihr Kind?
-
Lade...© dpa
Auch die Schüler spüren, dass sich mit der Auflösung des Klassenverbands einiges ändern wird: Sie schreiben in der vierten Klasse vermehrt Diktate und Klassenarbeiten, sollen Referate vortragen. Und natürlich wird der bevorstehende Schulwechsel auch untereinander besprochen. „Den Kindern geht es dabei genauso wie uns Erwachsenen, wenn etwas Neues bevorsteht, von dem man noch nicht weiß, wie es genau sein wird“, sagt der Hamburger Schulpsychologe Ingo Würtl.
-
Lade...© dpa
Eltern rät der Schulpsychologe Ingo Würtl vor allem keinen zusätzlichen Druck auf die Viertklässler auszuüben. Fördern, aber nicht überfordern, sollte das Motto sein. Entscheidend sei, den Kindern in der vierten Klasse zu vermitteln, dass schulische Leistungen und Noten zwar wichtig, aber nicht das Wichtigste im Leben sind. „Der Wechsel in die fünfte Klasse ist nicht, wie so oft angenommen, eine Grundsatzentscheidung für das ganze Leben“, betont der Schulpsychologe.
-
Lade...© dpa
Und in der Tat bietet das deutsche Schulsystem ja nicht nur viele Durchlässigkeiten zwischen den Schularten, sondern auch den zweiten Bildungsweg: Aus jedem Hauptschulabschluss kann noch eine Mittlere Reife oder das Abitur werden. Wer kennt nicht selbst Freunde oder Familienangehörige, die einst mittelmäßige Noten hatten, später auf der Abendschule nachlegten und heute einen interessanten Beruf ausüben?
-
Lade...© dpa
Dies mag gestressten Kindern in der vierten Klasse als Beruhigung dienen – den Anforderungen, die jetzt auf sie warten, können sie sich dadurch nicht entziehen. Denn es steht viel Neues im Lehrplan; etwa die Fahrradprüfung, die ihnen helfen soll, sich selbstständig und sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Diszipliniertes und selbstorganisiertes Arbeiten erhält einen größeren Stellenwert, sowohl im Unterricht als auch bei den Hausaufgaben. Gerade in Realschulen und Gymnasien wird diese Fähigkeit oft bereits erwartet.
-
Lade...© dpa
Und: Häufiger als sonst finden die Kinder in der vierten Klasse sich in einer Situation wieder, in der ihr Verhalten vom Lehrer aufmerksam registriert und benotet wird. „Mit dem Beginn des vierten Schuljahres wird sehr auf die Noten geachtet“, bestätigt der Freiburger Grundschullehrer Simon Manzak. Das mit den Noten ist aber so eine Sache: Seit es sie gibt, sind sie unter Pädagogen umstritten. Zum einen motivieren sie Schüler zwar zu großen Anstrengungen – gleichzeitig entmutigen sie Kinder, deren Noten vergleichsweise schlecht ausfallen.
-
Lade...© dpa
Außerdem kann eine Note niemals völlig objektiv zustande kommen, weswegen Bildungsforscher kritisieren, dass sich die Beurteilungen später häufig als falsch erweisen. „Die Zeugnisse und Beurteilungen sollen die Bildungsfähigkeit eines Kindes vorhersagen. Aber weder Lehrer noch Wissenschaftler sind Hellseher“, sagt Dr. Rainer Block von der Universität Mainz. Lehrer könnten – im Gegensatz zu den Eltern – nur ausgesuchte Leistungen der Schüler sehen und beurteilen. Er rät daher zu gemeinsamen Gesprächen, um das gesamte Leistungsspektrum eines Kindes besser einschätzen zu können.
-
Lade...© dpa
Um den Kindern in dieser Umbruchphase Sicherheit zu geben, ist es hilfreich, mit ihnen die Informationstage der weiterführenden Schule zu besuchen. So können sie sich ein Bild vom Schulhof, den Klassenzimmern und den Angeboten machen. Das weckt Vorfreude auf die neue Schule, eventuelle Ängste werden abgebaut. Eltern sollten ihrem Sprössling auch versichern, dass die alten Grundschulfreundschaften auf jeden Fall weitergepflegt werden können – etwa durch Verabredungen am Nachmittag oder am Wochenende.
-
Lade...© dpa
Welche Schulart ist für ein Kind nach der Grundschule die optimale? Früher beantworten die Lehrer diese Frage mit einer Grundschulempfehlung für Hauptschule/Realschule/Gymnasium. Mittlerweile haben Eltern das letzte Wort bei dieser Entscheidung. Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien dürfen Schüler aufgrund der Grundschulempfehlung nicht mehr ablehnen.
-
Lade...© dpa
Viele Entscheidungen erwiesen sich später als falsch: Die verbindlichen Grundschulempfehlungen basierten auf dem Notendurchschnitt, zum Beispiel dem der Fächer Deutsch und Mathematik: Bis 2,5 gingen Kinder aufs Gymnasium, von 2,6 bis 3,0 auf die Realschule, darüber hinaus auf die Hauptschule. Kritiker sagen, dass sich im Nachhinein jede dritte Grundschulempfehlung als falsch herausgestellt hat. Für sie ist das ein Argument gegen das dreigliedrige Schulsystem. Befürworter entgegnen, dass es später für begabte Schüler die Möglichkeit gibt, die Schulart zu wechseln. 2010 wurde die verbindliche Grundschulempfehlung bereits abgeschafft. Zwar gibt es immer noch unverbindliche Beurteilungen, viel wichtiger ist jedoch das Gespräch zwischen Eltern und der zukünftigen Schule geworden.
Alle Ratgeber-Kategorien
Die Ratgeber-Bildergalerien
Social Media
Neueste Videos
Fitness
Einstein oder Dumpfbacke?
Kommentare