Kerner: Von wem ging die Initiative aus, wer war die treibende Kraft?

Amerell: Das war ausgewogen, es war immer Einvernehmlichkeit da. Jeder hat immer die Möglichkeit zu sagen 'Ich will das nicht' – und das war nicht der Fall.

Kerner: Gab es neben Michael Kempter andere Schiedsrichter, mit denen sie ein so enges Verhältnis hatten?

Amerell: Nein, es gab keinen.

Kerner: Einmal sollen Sie am 18.10.2008 nachts um drei an seiner Hotelzimmer geklopft haben. Stimmt das?

Amerell: Nein. Eugen Strebel hat sogar einmal Michael Kempter gefragt 'Weißt Du sicher, dass Manfred hinter der Tür stand' und Michael sagte 'Nein, aber wer soll es sonst gewesen sein?'. Bei diesem Spiel war definitiv nichts, wenn er das behauptet, dann lügt er auch hier. Wie bei einem Spiel in München, wo er das auch behauptet, wie ich gelesen habe. Auch da war es nicht so.

Kerner: Warum ist Michael Kempter an die Öffentlichkeit gegangen?

Amerell: Diese Frage stelle ich mir auch. Vielleicht war er eifersüchtig.

Kerner: Das heißt, sie hatten eine andere Beziehung?

Amerell: Nein, es ist ja nicht so, dass ich mit dem ganzen Verein durch die Gegend renne. Ich kann es mir nur nicht anders erklären. Warum macht ein Mensch so was? Ich weiß es wirklich nicht. Er hat mich ja auch gar nicht darüber informiert.

Wir saßen noch bei einer PK zusammen, er sagte nichts und dann schickt er mir am 13. Januar die SMS, die ich auch händeringend dem DFB-Präsidenten vorgetragen habe, das hat den aber überhaupt nicht interessiert. Das ist ja das Schlimme an der Geschichte dass die ganzen Hinweise, um das noch mal zu überprüfen, nicht zur Kenntnis genommen wurden.

Kerner: Dr. Zwanziger hatte ja gesagt, er würde zurücktreten, falls der DFB den Prozess verliert...

Amerell: Zu dieser Aussage kann ich nur sagen: Hätte er seine Hausaufgaben richtig gemacht, hätte er am 11. Januar die Sache in Ordnung gebracht und wie jeder normale Arbeitgeber die beiden Parteien zusammen geholt und es geklärt und ein Urteil gesprochen, hätte man die Möglichkeit gehabt dagegen vor zu gehen.

Aber er hat in blindwütiger Art und Weise zwei Menschen, die damit geschädigt und kaputt sind, und ihre Ehre auf dem Altar der Öffentlichkeit geopfert. Nur weil er unfähig war, diese Dinge so zu ordnen, wie es sich gehört. Ich habe ihm am 1. Februar, als ich zum DFB zitiert wurde zum "Kaffeeklatsch mit Theo", wie ich das nur nenne, als es mir zu viel wurde, die SMS von Michael Kempter vorgelesen. Als Argument, dass da mehr sein muss, als das, was Zwanziger sich eingebildet hat, damit er mich loswird.

Das hat ihn gar nicht interessiert. Ich habe ihm auch erzählt, dass ich nach dem E-Mail-Verkehr schon ein Jahr vorher meine Familie in Kenntnis gesetzt habe und dass meine Frau heute, wenn sie Bundesliga sieht und Kempter pfeift, am liebsten in den Fernseher springen will. Das hat ihn auch nicht interessiert. Als Präsident muss ich doch auf solche Informationen reagieren.

Kerner: Herr Zwanziger klärt die Dinge ja gerne sehr offen...

Amerell: Das hat er ja auch hier getan. Aber er hat die notwendige Sorgfalt, die sein Amt erfordert, vermissen lassen – er geht mit Menschen um und nicht mit zwei Holzstücken, wo man drauf hauen kann, wenn man will. Das Ergebnis sieht man jetzt. Er hätte überhaupt erstmal ein Verfahren eröffnen müssen.

Kerner: Er sagt, Sie sind von Ihren Ämtern zurück getreten und haben sich somit der Sportsgerichtsbarkeit entzogen.

Amerell: Das ist eine glatte Lüge. Ich wurde vom Präsidium am 4. Februar angerufen und man hat mir gesagt, wenn ich mich nicht augenblicklich krank melde oder meine Ämter aus beruflichen oder privaten Gründen ruhen lasse, dann muss das Präsidium irgendeine Entscheidung fällen. Ich wurde erpresst, das so zu machen, und wenn nicht, treffen sie die Entscheidung. Ich war so perplex, dass ich gesagt habe, ok, ich schreibe was. Berufliche oder private Gründe wollte ich nicht schreiben, also habe ich gesagt, ich bin krank. Das Präsidium hatte noch acht Tage Zeit, ein Verfahren gegen mich einzuleiten, normalerweise wird sofort der Kontrollausschuss eingeschaltet, aber in diesem Fall nicht.

Kerner: Haben Sie die Situation mit Ihrer Familie geklärt?

Amerell: Ich hab die Situation mit meiner Familie geklärt, sonst hätte ich Ihnen heute nicht so offen und ehrlich Rede und Antwort gestanden.

Kerner: Wir danken für das Gespräch.

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