"Fast wie ein Feiertag!"

Emotionale Momente, ergreifende Schicksale und kuriose Ereignisse – wer könnte die Höhepunkte des abgelaufenen Jahres angemessener präsentieren, als Johannes B. Kerner? Im Interview mit sat1.de spricht Kerner über die imposante Gästeliste bei "2009 – Der große Jahresrückblick", über bewegende Geschichten und über seinen ganz persönlichen Höhepunkt des Jahres.

Herr Kerner, einen Jahresrückblick zu moderieren, das ist für Sie eigentlich keine Besonderheit mehr. Wird ihr Herz dieses Mal dennoch ein wenig schneller pochen?

Ein Jahresrückblick ist immer etwas Besonderes und für mich fast eine Art Feiertag. Und nun, bei einem neuen Sender, ist die Freude ganz besonders groß. Dass ich daran mitwirken darf, empfinde ich als besondere Auszeichnung. Ich bin aufgeregt, aber nicht nervös.

Gefühlt dürfte es Ihr zwanzigster Jahresrückblick sein. Haben Sie mal nachgerechnet, wie viele es tatsächlich sind?

Ich denke, dass es der zwölfte sein könnte. Ich mache das in der Tat schon sehr lange, viele Jahre im ZDF und nun erstmals in SAT.1.

Was oder besser wer erwartet den Zuschauer außer dem Gastgeber?

Dank der tollen Vorarbeit der Redaktion können wir mit einer großartigen Gästeliste aufwarten und werden den Zuschauern an diesem Abend ein sehr ordentliches Programm bieten.

Wie wird sich der SAT.1-Rückblick von denen der Konkurrenz abheben?

Die redaktionelle Grundlage ist dieselbe, weil auch das Jahr für alle dasselbe war – wenn auch unbestritten ist, dass Menschen verschiedene Ereignisse auch unterschiedlich empfinden. Wir haben eine Gästeliste zusammengestellt, die das abbildet, was wichtig, was interessant, was besonders war und was uns alle nachdenklich gemacht hat. Eine solche Sendung lebt einerseits von prominenten Gästen, die Besonderes erlebt oder geleistet haben, aber andererseits auch von Menschen, die in diesem Jahr mit ihrer Geschichte überhaupt erst bekannt und berühmt geworden sind. Beides haben wir in der Sendung zu Gast.

Können Sie bitte einige Namen nennen?

Joseph Jackson, der Vater von Michael Jackson, wird zum Beispiel da sein, Tokio Hotel als erfolgreichster deutscher musikalischer Exportartikel, Bully Herbig, der mit „Wickie“ den Film des Jahres gemacht hat, und auch Felix Magath, der Meistermacher aus Wolfsburg und „Trainer des Jahres“. Außerdem sind Verona und Franjo Pooth zum ersten Mal seit Jahren gemeinsam in meiner TV-Show zu sehen.

Große Namen ...

… und das sind längst noch nicht alle! Margarethe Schreinemakers etwa wird auch zu Gast sein. Viele haben vielleicht gar nicht mehr in Erinnerung, dass sie im letzten Jahr beim Joggen einen Herzstillstand hatte und nur gerettet wurde, weil ihr Mann zufällig dabei war und sie sofort versorgen konnte. Und dann gibt es die vielen Menschen, die eine ganz besondere Geschichte haben und deshalb in der Sendung sind, z. B. Barbara Emme.

... die Kassiererin mit den zwei Pfandbons, ...

... die sie nach Ansicht ihres Arbeitgebers zu Unrecht eingelöst hat und deshalb aus dem Unternehmen, für das sie 30 Jahre lang tätig war, entlassen wurde. Sie war die erste Protagonistin der Bagatellkündigungen, die es im letzten Jahr gegeben hat, und ist eine leidenschaftliche Kämpferin für ihre Sache. Wir beschäftigen uns aber auch mit dem Amok-Lauf von Winnenden. Die Schulleiterin und ein Vater, der seine Tochter verloren hat, sind bei uns zu Gast. Die Tochter hatte gerade angefangen, dort als Referendarin zu arbeiten und war das erste Opfer an diesem schrecklichen Morgen. Und ich spreche auch mit Bahia Bakari, der einzigen Überlebenden des Flugzeug-Absturzes vor den Komoren. Als dort ein Airbus mit 153 Menschen an Bord ins Meer stürzte, konnte sich das zwölfjährige Mädchen über Stunden an ein im Meer treibendes Wrackteil klammern, bis es endlich gerettet wurde.

Eine Menge Geschichten, die sehr nachdenklich stimmen ...

Davon lebt ein Jahr, von diesen traurigen Geschichten, aber natürlich auch von skurrilen Geschichten und manchmal auch von Dingen, die man noch gar nicht so genau zu bewerten weiß – wie z.B. die Abwrackprämie, mit der wir uns auch beschäftigen werden. Möglicherweise werden wir mit den "Ludolfs", dieser großartigen Familie vom Schrottplatz, sogar noch live ein Auto abwracken.

Das klingt auch nach einem sehr bunten Programm ...

... das wir auch in einem entsprechendem Rahmen würdigen wollen. Und zwar in der Campus-Halle in Flensburg – vor 3.500 Zuschauern, die für Stimmung sorgen werden, ganz besonders bei Tokio Hotel und bei Cassandra Steen, die mit „Stadt“ den Hit des Jahres, performt.

Interessante Gäste en masse – gibt es dennoch einen, auf den Sie sich ganz besonders freuen?

Ich glaube, dass diese Sendung von der Mischung lebt. Die Geschichten machen die besondere Menschlichkeit eines solchen Programms aus. Viele dieser Menschen kenne ich persönlich noch gar nicht. Wenn z. B. eine Dame kommt, deren Familie das ganze Haus weggerutscht ist und deren Ehemann noch immer unter einer Million Kubikmeter Erde begraben liegt, dann ist das etwas, was mich bis heute nachdenklich stimmt.

Alles in allem klingt dieses große, pralle Programm nach mindestens fünf Stunden Sendezeit ...

Nein, nicht ganz – aber dass die Show mehr als zwei Stunden dauern wird, das kann ich Ihnen versprechen. Dieser Jahresrückblick wird eine Abend füllende Veranstaltung und eine tolle Fernsehsendung, die uns allen sehr viel Spaß machen wird.

Was war Ihr ganz persönliches Highlight des Jahres?

Die Geburt unseres vierten Kindes! Ich bin am 20. Oktober zum vierten Mal Vater geworden und sehr, sehr glücklich darüber und dankbar dafür, dass wir ein gesundes Kind bekommen haben.

Die Schweinegrippe war mit Sicherheit auch eines der großen Themen in diesem Jahr ...

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich mich gegen die Schweinegrippe impfen lassen soll. Am Ende war es eine 51 zu 49 Prozent-Entscheidung dafür. Befreundete Ärzte haben mich teilweise beschimpft, dass ich das gemacht habe. Andere wiederum haben mich dafür beschimpft, dass ich so lange gezögert habe – was wieder einmal zeigt, dass man es nicht allen recht machen kann.

Oliver Pocher hätte sich besser ein Beispiel an Ihnen genommen

Möglicherweise. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass Oliver bis nächste Woche genesen ist und nicht mit einer Tarn-Kappe oder einem Helm in der Show sitzen muss.



Das Interview führte Andreas Kötter.

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