"Die sind noch hungrig!"

Interview mit Hartmut Engler

Mit "Rock statt Rente! Das Beste kommt zum Schluss" gibt SAT.1 endlich auch Menschen im Fernsehen eine Stimme, die altersmäßig weit über der sonst üblichen Zielgruppe liegen. PUR-Frontmann Hartmut Engler wird die rüstigen Rentner beim Rocken unterstützen. Im Interview mit sat1.de spricht Engler über seine Gründe, sich erstmals für eine TV-Show zu engagieren, über Optimismus im Alter und über seine Vorstellung vom eigenen Altern.

© Richard Huebner - Sat1
Foto: © Richard Huebner - Sat1

Herr Engler, "ROCK STATT RENTE! Das Beste kommt zum Schluss" lautet der Titel der neuen Show. Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell hat kürzlich in einem Interview gesagt "Das Leben ist eine Tragödie. Wir werden älter, irgendwann gehen wir nicht mehr zu Hochzeiten, sondern nur noch zu Beerdigungen. Ich bin jetzt über sechzig und nach allem, was ich erlebe, hat das Alter wenig Gutes an sich." Wer hat Recht?

Es gibt optimistische Lebenssichten und es gibt pessimistische Einstellungen. Und es gibt unterschiedliche Charaktere, die die Dinge auch anders wahrnehmen. Manche mögen durchaus sagen „es ist schlimm alt zu werden und ich habe keine Lust mehr aufs Leben.“ Aber es gibt auch Menschen, wie diese Gruppe von Rentnern, die voller Tatendrang und voller Elan sind. Und das ist nicht gespielt. Diese Menschen wollen noch etwas reißen, die sind noch hungrig!

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Bisher haben Sie sich über Ihre Musik hinaus noch nie im Fernsehen engagiert, was hat Ihre Meinung geändert?

Mir gefällt, dass es bei "ROCK STATT RENTE! Das Beste kommt zum Schluss" keine Verlierer und keinen Sieger gibt. Dieses Format ist keine Castingshow und ich muss nichts benoten. In Zeiten des Jugendwahns geht es vielmehr darum zu zeigen, dass es auch interessante ältere Menschen gibt, die noch große Lust aufs Leben haben. Es mag zunächst ein wenig befremdlich sein, dass man gleich zu Beginn mit AC/DC und "Highway To Hell" in die Vollen geht. Aber es wird auch ruhigere Momente geben, wie z. B. "Wenn sie diesen Tango hört", ein altes Pur-Stück über eine ehemalige Trümmerfrau, deren Kinder aus dem Haus sind und deren Mann gestorben ist. Ein sehr trauriges Stück, das viel mit der echten Lebenssituation der Teilnehmer zu tun hat.

Bisher finden alte Menschen im Fernsehen kaum eine Lobby und es scheint als sei Altwerden eines der letzten Tabus ...

Solange man alte Menschen aufs Sofa setzen kann, wo sie sich mit volkstümlicher Musik voll dudeln lassen, ändert sich nichts. Es wird sich aber etwas ändern müssen, wenn meine Generation - ich bin 48 und gehöre damit zu den geburtenstarken Jahrgängen - in zehn, zwölf Jahren die Mehrheit der Bevölkerung stellen wird. Dann wird es sehr viele alte Menschen geben, die mit Rockmusik aufgewachsen sind und von den Medien anders geistig und musikalisch ernährt werden wollen, als das bisher der Fall ist. Unsere Show ist hier ein erster zarter und am Ende hoffentlich auch erfolgreicher Ansatz.

© Richard Huebner - Sat1
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Hatten Sie nie Angst, dass weniger eine Sendung für ältere Zuschauer dabei heraus kommen könnte, als eher ein Spektakel für Jüngere, bei dem die Älteren vorgeführt werden?

Das war ein paar Sekunden lang meine Befürchtung. Die Verantwortlichen haben aber vom ersten Moment an auf mich einen sehr idealistischen Eindruck gemacht. Zudem habe ich schon beim ersten Gespräch einen Film von diesen älteren Damen und Herren gesehen und festgestellt, dass es sich um unglaublich tolle Menschen handelt. Die sind manchmal lustig, aber keineswegs lächerlich. Die haben einen Arsch in der Hose und zeigen Lebenslust. Keine Regie der Welt kann es schaffen, diese Leute nicht so darzustellen, wie sie tatsächlich sind.

Wie stellen Sie sich Ihr eigenes Altwerden vor?

Ganz klar, Rock statt Rente (lacht)!

© Richard Huebner - Sat1
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Also kein Grauen, wie bei Mankell?

Ich glaube, viel hängt davon ab, ob es einem gelingt den Verlust zu akzeptieren, den es bedeutet, wenn etwa die Leistungsfähigkeit des Körpers nachlässt. Wenn ich mir die Menschen bei der Show betrachte, dann ist das ein Zeichen dafür, dass man auch im hohen Alter noch ein glückliches und zufriedenes Leben führen kann. Wahrscheinlich gelingt dies aber nur Menschen, denen das auch schon in jungen Jahren gelungen ist. Da ich ein geborener Pessimist bin, der immer versucht, durch die Arbeit und die Musik ein wenig Optimismus in mein Leben zu bringen, werde ich im Alter zunächst wohl mit vielem hadern. Die Möglichkeit, mich auch über ein halbleeres Glas freuen zu können, werde ich mir dann erst hart erarbeiten müssen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich das schaffen werde.

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