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Interview 2. Teil

„Kesslers Knigge“ ist Ihr erstes Comedy-Soloprojekt. Was bedeutet Ihnen das?

Sehr viel! Ich habe viel investiert an Ideen und Energie. Wir probieren hier etwas Neues! Schon das lohnt die Arbeit und Mühe. Mal sehen, ob ich den richtigen Riecher habe.

Seit dem riesigen Erfolg von „Switch Reloaded“ und der Anerkennung durch Zuschauer und Kritiker haben Sie enorm an Popularität zugelegt. Wie fällt Ihr eigener Blick auf Ihre Karriere aus?

Ich freue mich über den Erfolg von „Switch Reloaded“, weil wir uns als Ensemble schon lange kennen und viel Arbeit in das Format gesteckt haben. Mein „Schicksal“ war, dass ich in vielen Formaten, auch in „Switch“, immer mit Masken und Bärten gespielt habe. Die „Schillerstraße“ brachte insofern viel Schub, weil die Leute da mein Gesicht zum ersten Mal ganz ohne Maske erlebt haben. Respekt und Popularität für mich aber auch immer mit Können zu tun. Ich hoffe und denke, dass das auf mich zutrifft.

Es fällt auf, dass Sie neben der Comedy auch auf vielen anderen Feldern aktiv sind: Theater, Musical, Hörbücher und Doku-Formate wie die „Berliner Nachttaxe“ vom rbb. Wie wichtig ist Ihnen diese Vielfalt?

Die Bandbreite ist aus vielen Gründen wichtig: Zum einen ist man damit beruflich besser aufgestellt, zum anderen würde mir langweilig, wenn ich immer das gleiche tun würde. Ich habe in den 70ern mal Peer Augustinski, den die meisten nur aus „Klimbim“ kannten, in einer ganz ernsten Rolle in einem „Tatort“ erlebt – fantastisch! Das Abenteuer, nachts durch Berlin Taxi zu fahren, hat mich genauso gereizt wie die Neuartigkeit der „Schillerstraße“. Ich sage schnell: „Ich bin dabei!“, wenn mich eine Idee überzeugt, auch wenn anfangs keiner weiß, wohin das führt.

In Interviews betonen Sie immer wieder, wie wichtig Ihnen Ehrlichkeit gegenüber dem Zuschauer ist. Wie wollen Sie diesen Anspruch im schnellen Fernsehgeschäft einlösen?

Damals am Theater ist mir aufgefallen, dass der Kontakt zwischen Publikum und dem Medium Theater gestört war. Es wurde auf elitäre Art und Weise am Publikum vorbeiproduziert. Man sollte nicht nur nach dem Geschmack des Publikums gehen, aber man muss schon genau hinhören. Moderne Zuschauer wollen, ob über das Internet oder über andere Kanäle, Programm aktiv gestalten und Teil dessen sein. Was ich an Feedback, zum Beispiel über „Twitter“, mitbekomme, nehme ich ernst, schreibe in der gebotenen Kürze von 140 Zeichen zurück und habe plötzlich ein direktes Feedback auf Sendungen, das mir sonst fehlt. Zuschauer wollen Wahrhaftigkeit, etwas Greifbares. Karriere mit dem einzigen Ziel, ein „Star“ zu werden – diese Geschichte ist doch längst zu Ende erzählt.

Wie gehen Sie mit Ihrer Popularität um?

Ich verhalte mich ganz normal, fahre mit dem Rad durch Köln usw. Ich war nie ein Partyhäschen, hatte nie den Drang, Medien mein Privatleben auszubreiten oder mein Zuhause zu zeigen. Das ist alles nicht meine Abteilung. Ehe ich mich in irgendeinen Dschungel begebe, gehe ich Taxi fahren.

Interview: Jörg Kanzler

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