Wissenschaftliche Erläuterung
Die Belastbarkeit von Haaren hängt von mehreren Faktoren ab. Ein Grund dafür ist die Dicke der Haare. Statistisch gesehen ist das asiatische Haar dicker als das europäische, deshalb ist es im Normalfall belastbarer. Möglicherweise stammt von daher die irrige Annahme, dass dunkles Haar dicker ist, da asiatisches Haar meistens dunkel ist. Außerdem wurden die meisten Versuche mit asiatischem Haar gemacht, da es eben stabiler ist. So entstand die falsche Schlussfolgerung: dunkel = dick.
Äußere Einflüsse wie Föhnen, übermäßiges Kämmen, Färben, Bleichen, Dauerwellen etc. schädigt die Struktur des Haares und macht es weniger belastbar. Für Versuche werden daher gesunde, unbehandelte Haare von jungen Menschen verwendet, da im Alter die Elastizität ebenfalls nachlässt.
Das gesunde, unbehandelte Kopfhaar kann je nach Haarfarbe und Herkunft 65 bis 100 g Gewicht tragen. Der Mensch hat zwischen 90.000 und 150.000 Haare auf dem Kopf. Wenn ein Mensch durchschnittlich 100.000 Kopfhaare besitzt, können diese also ein Gewicht von bis zu 10 t tragen, also auch ein Auto, und das mit Leichtigkeit! Das gilt natürlich nur für den ersten Moment, weil sich das Haar mit der Zeit unter dem Einfluss eines solchen Gewichtes dehnt und dann irgendwann reißt.
Trotzdem ist davon abzuraten, den eigenen Haarschopf als Lastenheber zu verwenden. Zwar kann theoretisch jeder Mensch solche Kunststücke erlernen wie die Akrobaten aus der CLEVER-Sendung, doch diese trainieren dafür auch täglich. Ungeübte Kopfhaut kann bei Überstrapazierung schnell in arge Mitleidenschaft gezogen werden. Man kennt das Problem von Unfällen. Wer mit seinen Haaren in eine Maschine gerät, riskiert skalpiert zu werden, bevor die Haare reißen. Deshalb herrscht in vielen Betrieben Haarnetzzwang!
Für die Reißfestigkeit im Haar sind die Proteinstränge verantwortlich, die durch Schwefelbrücken vernetzt sind. Dieses vernetzte Protein nennt man Keratin. Keratin ist ein Eiweiß, das die Grundsubstanz der Haare und Nägel darstellt. Dieses Keratin verleiht dem Haar seine Festigkeit und Spannkraft.
Warum haben wir überhaupt Haare?
Was wir Haar nennen, ist ein Anhangsgebilde der Haut. Somit sind sie mit Reptilienschuppen und Vogelfedern verwandt, die ebenfalls aus Hornmaterial bestehen und von der Haut produziert werden. Wenn ein Haar aus der tief in der Haut liegenden Haarwurzel heraus wächst, sind die Zellen desjenigen Teils, der an der Hautoberfläche sichtbar wird, längst tot. Sie sind also nicht mehr in der Lage, sich zu teilen und dadurch das Haar zu verlängern.
Ein Haar entsteht durch einen Verhornungsprozess von Haarzellen in der Haarwurzel. Im Anfangsstadium nehmen die Haarzellen noch am Stoffwechselgeschehen teil und lagern Mineral- und Schadstoffe sowie Spurenelemente ein, was man sich bei einigen Haaranalysen zunutze macht. Im Prozess der Verhornung sterben die Haarzellen ab und werden von nachwachsenden, jüngeren Haarzellen aus der Kopfhaut heraus "ins Freie" geschoben. Ab diesem Moment sind alle in die Haarzellen eingeschlossenen Stoffe konserviert (wichtig für Haaranalysen, z.B. Drogentests). Sie nehmen nicht mehr am Stoffwechsel teil, unterliegen aber äußeren Bedingungen wie Wasser, Umweltverschmutzungen, Shampoo, Sonnenstrahlung. Einige Inhaltsstoffe können dabei nochmals ausgewaschen, zerstört oder von außen her angereichert werden, die meisten Parameter bleiben aber stabil. Das geht so zwei bis sechs Jahre lang (Anagenphase). Dann ruht die Haarwurzel und produziert demzufolge keine neuen Zellen mehr. Jeweils 15 0er Haarwurzeln befinden sich in der Ruhephase (Katagenphase). Etwa drei Monate später löst sich die Haarwurzel vom Grund des Haarbalgs ab, und Kamm oder Bürste zieht das Haar schließlich heraus. Nachdem der Haarbalg sich weitere drei Monate lang erholt hat, bringt er ein neues Haar hervor. Einige Haarwurzeln sind über die normale Zeit hinaus aktiv. In manchen Fällen wird das Haar dadurch bis zu einem Meter lang. Ein Haar hat eine Lebensdauer von ca. 3 Jahren. Pro Tag
Die Haare können sich sträuben, weil jedes Haar mit einem Muskel versehen ist, der um ihn herum greift. Die ebenfalls vorhandenen Nerven reagieren auf feinste Berührungen, so dass man auch einen Luftzug wahrnehmen kann. Schon immer waren Haare dazu da, den Körper vor Hitze, Kälte und Stoßeinwirkungen zu schützen. Im Laufe der Evolution übernahmen erst Tierfelle später Textilien die Rolle der Haare. Sie sollten ursprünglich auch vor Feinden schützen. Denn in Gefahrensituationen sträubten sie sich - wie auch heute noch - und ließen uns größer wirken.
Borstenhaare wie Wimpern, Nasen- und Ohrenhaare schützen Organe vor Staub. Die Augenbrauen verhindern, dass Schweiß in die Augen läuft. Scham- und Achselhaare dienen der Fortpflanzung, denn Sexual-Lockstoffe im Körperschweiß haften auf behaarter Haut besser als auf glatter.