INTERVIEW MIT MICHAEL MICHALSKY

Welche Eindrücke haben Sie aus dem Casting-Wochenende in Oberhausen mitgenommen?
Es war anstrengend für uns, aber auch sehr lohnend, weil wir als Jury sehr gut funktionieren, ein paar richtig tolle Erfindungen gesehen haben und weil so viele unterschiedliche Menschen gekommen sind – vom 7-jährigen Mädchen bis zum 72-jährigen Opa, der mir eine selbsterfundene Käse-Schere präsentiert hat. Gute Ideen haben eben nichts mit dem Alter oder dem Geschlecht zu tun. Es waren z.B. fast genauso viele Frauen wie Männer da, was ich sehr cool finde.

Welche Idee hat Sie spontan begeistert?
Ein Erfinder hat uns eine Art Aussichtsturm für Fische vorgestellt. Ein nach unten offener Turm aus Plexiglas wird auf einem Teich montiert. Im Turm steigen die Fische darunter in der Säule nach oben und können sich mal angucken, wo sie „wohnen“. Mich haben aber auch Erfindungen begeistert, die das alltägliche Leben vieler deutlich erleichtern – allzu viel will ich allerdings noch nicht verraten.

Nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Erfindungen?
Die einfachsten Ideen sind oft die besten. Außerdem hat eine gute Idee eine große positive Bedeutung für sehr viele Menschen, da liegt der Turm für Fische vielleicht nicht ganz vorne.

© Frank Dicks - Sat1

Welche Rolle spielt für Sie das Design der Idee?
Die Leute, die zum ersten Casting kamen, haben ihre Erfindungen oft aus Karton und Holz gebastelt. Da muss man versuchen, sich vorzustellen, wie das ganze in einer anderen Verpackung aussehen könnte. Aber natürlich achte ich immer auch verstärkt auf das Design, weil es für den Erfolg eines Produkts heutzutage immer wichtiger wird. Denken wir nur an Autos, Handys oder den MP3-Player. Die Technik wurde hier in Deutschland erfunden, den großen kommerziellen Erfolg hatte allerdings erst Apple mit dem iPod, weil das Design die Menschen weltweit begeisterte und für sie relevant war, ob auf dem Dorf, in einer Polarstation oder im Weltraum. In unserer Show versuche ich zu ergründen, ob aus einer Idee ein trendy Produkt werden kann, das einen gewissen Coolness-Faktor besitzt und möglichst viele Menschen berührt.

Wie wichtig ist es, dass sich auch der Erfinder gut präsentieren kann?
Im Vordergrund steht für mich immer die Idee, der geistige Inhalt. Wenn mich der Erfinder in einer Minute damit begeistern kann, dann umso besser. Ich habe aber auch Leute nach Hause geschickt, wenn sie eine tolle Show abgezogen haben, mich die Erfindung aber nicht überzeugt hat.

Sehen Sie sich selbst im weiteren Sinne als Erfinder?
Nein, ich nehme die klassischen Designeraufgaben wahr. Eine neue Kollektion erfindet Kleidung nicht neu – ein T-Shirt mit drei Ärmeln oder ähnliches –, sondern restylt eine Reihe von Kleidungsstücken, die es schon gibt.

Wie kommen Sie auf neue Ideen?
Es gibt dafür keine bestimmte Methode. Das ist einerseits Talent, zum anderen inspiriert mich, was ich in Berlin und anderswo auf der Straße sehe. Außerdem hat heute jeder an jedem Ort Zugang zu Informationen – durch das Internet, Magazine oder das Fernsehen. Für einen Designer ist es heute fast egal, wo er arbeitet.

Was gab für Sie den Ausschlag, bei „Die beste Idee Deutschlands“ als Juror zu arbeiten?
Mir gefällt das Konzept der Sendung, weil ich ein sehr, sehr neugieriger Mensch bin, der sich gern aus allen Lebensbereichen inspirieren lässt. Es geht nicht um Talente wie eine schönere Stimme oder ein tolleres Aussehen, sondern um das, was im Kopf passiert. Das fasziniert mich.

Sie entwerfen u.a. eine Luxus-Modekollektion, ihr Jury-Kollege Alexander Walzer betreibt einen Supermarkt für Billigprodukte. Prallen da Gegensätze aufeinander?
Ich glaube, wir sind eine ganz coole Jury, die zusammen sehr viel Spaß hat. Alexander ist ein super Typ und Mensch, der mit dem, was er tut, viel Erfolg hat. Also verfügt er über besondere Fähigkeiten, von denen ich mir auch immer etwas abschauen kann. Im Übrigen bewege ich mich ja auch nicht nur im Luxus-Segment, sondern habe schon für eine breitere Masse designt, was ich ganz wichtig finde. Ich bin heute noch genauso, wie ich vor 20 Jahren war, umgebe mich gern mit den gleichen Menschen wie früher, interessiere mich immer noch für Musik, Kunst und Jugendkultur. Mein Beruf ist Leidenschaft, kein Nine-to-Five-Job.

Sie haben und hatten beruflich mit Menschen zu tun, die man als Normalbürger nicht trifft – von Missy Elliott bis Madonna. Was macht diese Menschen zu Ideengebern?
Man kann nur gut sein, ob als Gärtner oder Verkäufer, wenn man mit Leidenschaft dabei ist. Leute, die in ihrem Job gut sind, atmen und leben ihre Profession. Auch bei uns werden sich nur die Kandidaten durchsetzen, die Tag und Nacht an nichts als an ihre Erfindung denken. Madonna ist die berühmteste Frau der Welt und schon sehr, sehr lange erfolgreich, aber sie hat ihr Ohr immer noch am Puls der Zeit und weiß, was los ist.

Was war die beste Idee, die Sie jemals hatten?
Mich mit einer eigenen Modemarke selbständig zu machen, hat schon immer in mir geschlummert. Dafür muss man vieles aufgeben muss, z.B. Sicherheit. Trotzdem hat mir dieser Schritt geholfen, meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln und war deshalb meine beste Idee.

Infos zu Michael Michalsky

Michael Michalsky (geb. 1967 in Göttingen) studierte bis 1992 am London College of Fashion; anschließend Designmanager bei Levi Strauss & Co.; 1995 bis 2006 bei adidas AG, davon sechs Jahre als Global Creative Director; u.a. Kooperationen und Produktlinien mit Yōji Yamamoto, Stella McCartney, Missy Elliott; 2006 Gründung des eigenen Mode- und Lifestyle-Unternehmens Michalsky Holding GmbH in Berlin; seit 2007 Mode-Kollektionen für Tchibo; 2006 Aufnahme in die Ausstellung „100 Köpfe von morgen“ im Auftrag der Initiative „Land der Ideen“

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